Bildung

Zeugnisse für Lehrer

Berliner Schüler können ihren Lehrern jetzt ein Zeugnis ausstellen. Per Internet - aber nur, wenn diese damit einverstanden sind. Die Bildungsverwaltung hat eine Alternative zur umstrittenen Internetseite "Spickmich.de" entwickeln lassen, die helfen soll, den Unterricht zu verbessern. Das Institut für Schulqualität bietet auf seinem Portal einen Fragebogen mit 70 Bewertungskriterien.

Die Schüler kreuzen per Mausklick an, ob der Lehrer deutlich spricht, pünktlich und fair ist, ob die Aufgaben aus dem realen Leben stammen oder ob der Lehrer für Ruhe sorgen kann. Ein Code für jeden Schüler sorgt dafür, dass sie anonym bleiben, wenn sie für die einzelnen Kriterien Noten zwischen 1 (stimmt genau) und 4 (stimmt gar nicht) vergeben. Die Beantwortung dauert etwa eine Viertelstunde. Sekunden später spuckt der Computer das Ergebnis aus.

Jens Kunert von der Marienburg-Realschule in Wilmersdorf gehört zu den ersten Berliner Lehrern, die sich von ihren Schülern ein Zeugnis ausstellen lassen. Allerdings hat er auch nicht viel zu befürchten. "Herr Kunert macht alles Klasse", sagt der 15-jährige André. Der Biologie-Lehrer wertet die Noten gemeinsam mit seinen Schülern aus, denn die wollen auch das Ergebnis erfahren. Die beste Note bekommt der Bio-Lehrer für die Unterrichts-Atmosphäre. Die Schüler können angstfrei Lernen und Fragen stellen. Den Klassenraum verlassen die Ergebnisse aber nicht.

Ergebnisse nicht öffentlich

Anders als bei Spickmich.de können die Bewertungen nicht von Eltern, Lehrern oder Schulfremden eingesehen werden. "Das ist ein ganz neues Instrument für Lehrer, sich selbst zu prüfen und wir wollen, dass nicht nur die Besten den Mut haben, es anzuwenden", sagt Hans Anad Pant, Leiter des Instituts für Schulqualität.

Allerdings will das Institut die Ergebnisse anonym auswerten, wenn genügend Zeugnisse da sind, um festzustellen wo Berliner Lehrer ihre Stärken und Schwächen haben. "Dafür brauchen wir allerdings einen repräsentativen Querschnitt von etwa 15 000 bis 20 000 Fragebögen, der nicht nur die engagiertesten Schulen abbildet", sagt Pant.

Die Marienburg-Realschule ist eine dieser engagierten Schulen. Hier hat sogar die Schulleiterin Martina Schult schon ihren Deutsch-Unterricht von den Schülern bewerten lassen. "Das Ergebnis war nicht so überraschend, schließlich bin ich auch so oft mit den Schülern im Gespräch", sagt Schult. Sie hofft vor allem, so viele Kollegen wie möglich anzustecken. "Wir streben an, die Ergebnisse dann auch offen im Kollegium auszutauschen", sagt die Leiterin. Dann könne man sehen, ob es Probleme gibt, die immer wieder auftauchen und gezielt Fortbildungen buchen.

Übrigens gib es das Programm auch für Grundschulen. Da vergeben die Kinder lächelnde Smilies oder rote Punkte.