Verkehr

Radfahrer dürfen auf die Fußwege

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Ingo Rössling

Radfahrer dürfen ab September auf der Treskowallee im Lichtenberger Ortsteil Karlshorst offiziell Fußwege benutzen. Berlins Fahrradbeauftragter Benno Koch spricht vom ersten Experiment dieser Art auf einer Hauptgeschäftsstraße in einem dicht besiedelten Wohngebiet. Bisher gebe es nur vereinzelt kombinierte Fuß- und Radwege, so in Grünau.

Der Bezirk Lichtenberg beruft sich auf die geänderte Straßenverkehrsordnung. Baustadtrat Andreas Geisel (SPD): "In der ab September gültigen Verordnung wird die Freigabe des Fußweges für Radler gestattet, wenn ein Radfahrweg auf dem Bürgersteig oder ein Schutzstreifen auf der Straße nicht angelegt werden können." Das treffe auf einen etwa 1,3 Kilometer langen Abschnitt der Treskowallee vom Römerweg Richtung Süden zu.

Hintergrund: Radfahrer sollten eigentlich im Zuge des Baus neuer Fahrbahnen und Straßenbahngleise durchgehend von der Rhinstraße/Alt-Friedrichsfelde über die Straße Am Tierpark und die Treskowallee gen Köpenick auf Radwegen in die Pedale treten können. Geisel: "Doch die vierspurige Treskowallee ist für die Anlage neuer Radwege nicht breit genug und der Fußweg zu schmal." Der geplante Kauf von Vorgärten, um Platz zu schaffen, sei aber am Einspruch der Hausbesitzer gescheitert.

Koch übt Kritik an der Entscheidung. Sie erhöhe die Unfallgefahr. 81 Prozent aller Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt sind - so Koch - ereigneten sich auf Fußwegen. Er sagt, beim Umbau der Treskowallee habe durchaus die Möglichkeit für die Anlage von Radwegen bestanden, wenn Flächen für die Masten der Straßenbahn-Oberleitungen verringert worden wäre. Das sollte bei den weiteren Arbeiten berücksichtigt werden. Koch hat noch einen anderen Vorschlag. Außerdem könnte der Bezirk Fahrradpiktogramme am Rande der Fahrbahn anbringen und damit Autofahrern signalisieren: Hier sind Radler unterwegs.

Geisel ist gegen diesen Vorschlag: "Bei täglich 38 000 Fahrzeugen auf der Treskowallee wäre Fahrradfahren dort viel zu gefährlich. Koch hält dagegen: "Die Treskowallee ist kein Unfallschwerpunkt." Doch Geisel verweist darauf, dass gerade in Karlshorst bereits jetzt schon besonders viele ältere Menschen aus Angst vor Unfällen trotz drohender Strafen des Ordnungsamtes die Fußwege benutzen. Radfahren auf Bürgersteigen werde deshalb künftig ebenso in den Kopfsteinpflaster-Nebenstraßen westlich der Treskowallee erlaubt sein.