Explosion

Demo-Sprengsatz war Profi-Feuerwerkskörper

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Joachim Fahrun, Hans Nibbrig, Michael Behrendt und Steffen Pletl

Foto: dpa

Der am Wochenende auf einer Demonstration gezündete Sprengsatz war keine Splitterbombe, sondern ein Profi-Feuerwerkskörper der höchsten Gefahrenklasse. Mehrere Polizisten wurden bei der Explosion verletzt.

Der Sprengsatz, dessen Explosion am Wochenende mehrere Polizisten verletzt hat, war nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine Splitterbombe. Entgegen früherer Angaben war der Sprengsatz nicht mit Glassvcherben oder Nägeln präpariert worden, so ein ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Der Sprengsatz war zuvor technisch untersucht worden.

Nach Informationen von Morgenpost Online besagt das Untersuchungsergebnis, dass es sich bei dem Sprengsatz um einen Feuerwerkskörper der so genannten Gefahrenklasse 4 handelte. Pyrotechnik wird vom Bundesamt für Materialprüfung in insgesamt vier Gefahrenklassen eingeteilt. Feuerwerkskörper für Großfeuerwerk werden in die Gefahrenklasse 4 eingestuft. Solche Feuerwerkskörper dürfen ausschließlich an geprüfte Pyrotechniker verkauft und auch nur von geprüften Pyrotechnikern gezündet werden. In der Verordnung zum Sprengstoffgesetz heißt es: "Feuerwerkskörper, die eine große Gefahr darstellen, die nur von Personen mit Fachkunde verwendet werden dürfen." Zudem sind Sicherheitsabstände vorgeschrieben - 20 Meter und mehr.

Der Sprengsatz vom Wochenende explodierte in einer Gruppe von Polizisten. Er war aus einer Gruppe von Demonstranten heraus auf die Beamten geschleudert worden. Dabei wurden insgesamt 15 Polizisten verletzt, zwei davor schwer - sie ruigen mehrere Zentimeter tiefe Wunden an den Beinen davon und mussten im Krankenhaus operiert werden. Die Wunden rühren nach bisherigen Erkenntnissen von Plastikteilen her, die nicht an dem Sprengsatz selbst angebracht waren. Entgegen früherer Angaben wurde der Sprengsatz nicht mit Glassplittern oder Nägeln präpariert. Den beiden schwer verletzen Polizisten wurden Kleidungs- und Kunststoffteile aus den Wunden entfernt. Der Sprengsatz wurde laut Polizei aus einer Gruppe von rund 450 gewaltbereiten Demonstranten auf die Polizisten geworfen.

( Hier ein weiteres Video von der Explosion bei Youtube - Anmeldung erforderlich)

Unter Verdacht sind demnach weiterhin drei Männer, die zunächst festgenommen, dann aber wieder freigelassen wurden. Diese drei Männer sind laut Staatsanwaltschaft Beschuldigte - ein dringender Tatverdacht aber hat sich bislang nach Angaben des Sprechers nicht bestätigt. Die Wohnungen der Männer waren durchsucht wordem. Dabei fanden die Ermittler "größere Mengen zugelassener und nicht zugelassener pyrotechnischer Gegenstände", wie es Polizeipräsident Dieter Glietsch im Innenausschuss formuliert hatte.

Bislang war die Polizei davon ausgegangen, dass polnische oder italienische Feuerwerkskörper die Basis des Sprengsatzes waren und die Böller mit brennbaren Flüssigkeiten und Metallteilen aufgerüstet wurden. Diese Einschätzung bestätigte sich nicht. Mit dem Fall befadsst sich die Ermittlergruppe "Torstraße", der bis zu zehn Fahnder angehören.

Bei der Demonstration unter dem Motto "Wir zahlen nicht für eure Krise" hatten sich 10.000 (Schätzung Polizei) bis 20.000 (Innensenator Erhart Körting, SPD) Menschen teilgenommen. Zu dem dem Sprengsatz-Anschlag kam es auf der Torstraße, der Sprengsatz wurde laut Polizei aus einer Gruppe von rund 450 gewaltbereiten Demonstranten heraius geworfen. Die beiden dabei schwer verletzten Beamten, 36 und 47 Jahre alt, konnten am Dienstag das Krankenhaus wieder verlassen, sind aber vorerst nicht diensttauglich. Politiker aller Frabktionen hatten den Sprengsatz-Anschlag verurteilt. Innensenator Körting hatte angekündigt, Teilnehmer im Vorfeld von Demonstrationen künftig strenger durchsuchen lassen zu wollen.

Im Bundestag debattierten die Vertreter der einzelnen Parteien am Mittwoch über den Anschlag. FDP und Union hatten die aktuelle Stunde zum Thema beantragt. Unionspolitiker bekräftigten im Bundestag ihre Forderung nach härteren Strafen für Gewaltangriffe auf Polizisten. Die Grünen erklärten dagegen, die bestehenden Strafrahmen reichten aus. SPD und Linke warnten davor, die Gewalttaten für politische Ziele zu instrumentalisieren. Union und FDP forderten die Linke auf, sich stärker von linker Gewalt zu distanzieren. Die Linke betonte, wiederum, für sie sei Gewalt kein legitimes Mittel der Politik.