Flughafen Tempelhof

Schwarzer Block attackiert Polizei

Ein großes Polizeiaufgebot hat gestern die Erstürmung des Tempelhofer Flughafens verhindert. Sämtliche Versuche, den 2,50 Meter hohen Zaun des Flughafengeländes zu überwinden, wurden bis zum Abend von den mehr als 1800 Einsatzkräften abgewehrt.

Zu Ausschreitungen kam es nach Abschluss der Kundgebung am Platz der Luftbrücke um 17.30 Uhr, als einige Aktivisten der Initiative Squat Tempelhof versuchten, mit weißen Fahnen vorweg das ehemalige Flughafengelände zu erstürmen. Flaschen flogen. Die Polizei griff ein, nahm mehrere der rund 2500 Demonstranten fest und brachte dabei auch zwei Wasserwerfer vor dem Polizeipräsidium in Stellung. Wenig später kam es auch auf der Neuköllner Seite des Flughafens zu Ausschreitungen. An der Herrfurthstraße flogen aus der Menge Flaschen und Steine auf die Einsatzkräfte der Berliner Polizei. Der Veranstalter meldete zwischenzeitlich mehr als 30 Festnahmen von Demonstranten.

Sicherung mit Hundestaffeln

Bis dahin waren die Veranstaltungen weitgehend friedlich verlaufen. Etwa 2500 Teilnehmer waren dem Aufruf der Initiative Squat Tempelhof gefolgt. Nach Angaben einer Polizeisprecherin blieb die Lage trotz einiger Versuche, den Zaun zu beschädigen oder zu überklettern, durchgehend beherrschbar. Die Polizei, die von Kräften aus anderen Bundesländern unterstützt wurde, hatte im Vorfeld ein konsequentes Einschreiten bei Straftaten angekündigt. Das ehemalige Flughafenareal wurde unter anderem mit Hundestaffeln und berittenen Kräften sowie per Helikopter aus der Luft überwacht.

Am frühen Nachmittag war es am Columbiadamm zu einer kritischen Situation gekommen. Etwa 150 Personen wollten den Zaun überwinden, wurden aber von der Polizei daran gehindert. Einige Meter entfernt war ein Demonstrant von einem uniformierten Polizeibeamten und einem Zivilpolizisten festgenommen worden, weil er sich am Zaun zu schaffen gemacht hatte. Plötzlich näherten sich etwa 50 Personen dem Schauplatz, die offenbar zum Schwarzen Block gehörten.

Um die Gruppe in Schach zu halten, zog einer der Beamten seine Waffe. Mit Erfolg, die Autonomen hielten Abstand. "Der Kollege hat dies aus Gründen der Eigensicherung getan, weil er ansonsten von der Menge attackiert worden wäre", sagte Polizeisprecher Thomas Goldack, der direkt vor Ort war: "Die Mündung seiner Waffe hat er aber nach unten gehalten."

Taschenkontrollen vor Ort

Mit den Aktionen fordert die Initiative Squat Tempelhof (etwa: "Besetzt Tempelhof"), die Fläche des Ende Oktober geschlossenen Flughafens umgehend für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine kommerzielle Nutzung lehnt sie ab. Die Demonstrationsteilnehmer hatten sich an vier Orten zu Kundgebungen versammelt. Sie mussten sich jeweils Taschenkontrollen von den Beamten gefallen lassen, die sich an strategischen Punkten postiert hatten. Die Demonstranten, darunter zahlreiche Englisch sprechende, versuchten mit allen Mitteln, sich dem Flugfeld zu nähern. Eine Gruppe hatte den Tempelhofer Damm über die S-Bahnbrücke in Richtung Osten überschritten, um die Polizeiposten zu umgehen. In der angrenzenden Kleingartenanlage nördlich des Stadtrings wurde die Gruppe aufgehalten.

Um 13.30 Uhr provozierten 15 Mitglieder der "Clown Armee" an der Oderstraße Ecke Kienitzer Straße am Zaun mit politischen Parolen und Straßentheater. So war die Gruppe auch schon beim G-8-Gipfel in Heiligendamm aufgetreten. Beamte der Bundespolizei drängten sie vom Zaun ab, wenig später kesselten Berliner Polizeibeamte die Truppe unter dem Protest der rund 200 Zuschauer ("Lasst die Clowns frei") erst ein und nahmen sie dann alle fest. Es war nicht ersichtlich und von der Polizei auch nicht zu erfahren, was man ihnen vorhielt. Kurz danach sperrte die Polizei die Oderstraße komplett. Im südlichen Bereich an der Siegfriedstraße gelang es den Aktivisten, ein Loch in den Zaun zu schneiden. Dieses wurde aber alsbald wieder geschlossen.

In der Hasenheide hatten sich derweil rund 500 Teilnehmer an einem der Treffpunkte versammelt. Von dort aus wurden immer wieder neue Aktionen geplant. Unter den Demonstranten waren Mitglieder des Schwarzen Blocks, der linksautonomen Szene, Sympathisanten und Punks. Die Kundgebungen mit jeweils etwa 500 Teilnehmern verliefen ruhig.

Am Abend bewegte sich ein Zug mit mehreren Hundert Demonstranten, angeführt von einer Trommlergruppe, vom Volkspark Hasenheide in Richtung Weisestraße. An der Schillerpromenade Ecke Leinestraße nahm die Polizei gegen 20 Uhr elf der Musikanten "aus Gründen der "Gefahrenabwehr" fest. Sie hatten sich geweigert, die Fahrbahn frei zu machen, was als Eingriff in den Straßenverkehr gewertet wurde. Empörte Umzugsteilnehmer versuchten daraufhin, die Abfahrt der Polizeitransporter zu behindern. Die Einsatzkräfte drängten die Mehrzahl der Störer in eine Sackgasse ab und setzten schließlich gegen die Fahrzeugblockierer Reizgas ein.

Räumfahrzeuge am Columbiadamm

Am Columbiadamm war die Polizei schon seit dem Mittag mit starken Kräften vor Ort. Die Straße am Flughafenareal wurde abgeriegelt, alle paar Meter bezogen Beamte Position, um Eindringlinge abwehren zu können. Auch auf der anderen Seite der Begrenzung stellten sich Polizisten auf. Außerdem fuhren im Umfeld des Flughafens auch Räumfahrzeuge auf. Die Bundespolizei hatte sich entlang der östlichen Grenze des Airports postiert und Schaulustige zum Teil massiv vom Geschehen ferngehalten.

Die Demonstrationen rund um den Tempelhofer Flughafen sollten gestern den Abschluss der von linksextremen Gruppen initiierten "Actionweeks" bilden.

In der Nacht zuvor hatten Unbekannte in Nikolassee versucht, ein Auto anzuzünden. Der Besitzer des im Westhofener Weg geparkten Fahrzeugs bemerkte kurz vor Mitternacht Flammen an einem Reifen seines Jeeps und löschte den Brand selbst. Im Pankower Stadtteil Buch wurde die Fensterfront einer Bankfiliale an der Wiltbergstraße durch Pflastersteinwürfe beschädigt und die Fassade mit Farbe beschmiert. In beiden Fällen ermittelt der Staatsschutz.