Diskussion über Klinik-Standorte

Charité-Chef Einhäupl attackiert Finanzsenator

Der Charité-Vorstand ist nach den Vorwürfen des Finanzsenators Ulrich Nußbaum (parteilos) gestern in die Offensive gegangen. "Die Charité hat ein Gesamtkonzept", betonte Charité-Chef Professor Karl Max Einhäupl.

Zugleich sagte er, dass der Klinikumsvorstand "etwas irritiert" sei über die Kommentare des neuen Finanzsenators und einiger Parlamentarier. Diese hatten die Pläne der Charité kritisiert, wonach in Mitte für insgesamt 347 Millionen Euro ein Ersatzbau für das Bettenhochhaus errichtet werden soll. Der Aufsichtsrat hatte den Plänen des Charité-Vorstands zwar zugestimmt, aber der Finanzsenator soll die Finanzierung der Pläne abgelehnt haben. Nußbaum warf dem Charité-Vorstand vor, er habe kein Gesamtkonzept vorgelegt. Der Charité wurden bis 2013 nur 195 Millionen Euro zugesagt.

"Das sind wir so nicht gewohnt", sagte Einhäupl empört über den Umgang mit dem neuen Finanzsenator, der auch Mitglied im Charité-Aufsichtsrat ist.

Das Strukturkonzept für die Charité liege seit Wochen vor, sagte Einhäupl. Demnach plane der Vorstand, alle Hauptstandorte in Mitte, Steglitz und Wedding zu erhalten und zu profilieren. Am Campus Mitte sollen Neurowissenschaften, Immunologie und Infektiologie etabliert werden. Am Standort Virchow-Klinikum seien Kinder- und die Frauenmedizin, Tumor- sowie die Herz-Kreislaufmedizin angesiedelt, und in Steglitz, am Campus Benjamin Franklin, gehe die Ausrichtung in Richtung Geriatrie, Orthopädie und Psychiatrie. Die Bettenzahl soll von 3200 auf 2700 reduziert werden. Am Campus Mitte solle ein Neubau entstehen, das Hochhaus zum Teil saniert werden für zusammen 347 Millionen Euro. "Eine vollständige Sanierung des Hochhauses würde genauso viel kosten", betonte Charité-Finanzchef, Klinikumsdirektor Matthias Scheller.

Klinikstandorte bleiben

Die Uni-Klinik habe an allen Campi einen erheblichen Investitionsbedarf. "Es regnet an allen drei Hauptstandorten der Charité durch", sagte Einhäupl in Anspielung auf eine Äußerung des Finanzsenators. Teilweise seien in Charité-Gebäuden innen Regenrinnen montiert worden, um das eindringende Wasser abzuleiten. Vor zwei Wochen habe es eine Havarie im Bettenhochhaus gegeben: Es habe reingeregnet, ein Elektronikraum sei explodiert, zehn Stockwerke des Hochhauses seien lahmgelegt gewesen. "Patienten sind dabei nicht zu Schaden gekommen", sagte Einhäupl.

Ungeachtet der Finanzmisere und des hohen Finanzbedarfs betonte der Charité-Chef, dass sein Haus an allen Hauptstandorten festhalten wolle. Es sei letztendlich eine politische Entscheidung, ob man einen universitären oder einen kommunalen Klinikstandort schließen wolle. "Wowereit kann nicht von uns verlangen, dass wir diese Entscheidung treffen", sagte Scheller. Dem entgegnet der Sprecher von Finanzsenator Ulrich Nußbaum, Daniel Abbou: "Ist es nicht Aufgabe eines Vorstandsvorsitzenden, in schwierigen ökonomischen Zeiten auch einmal unpopuläre Entscheidungen zu treffen?"

Der Senat fordert beispielsweise eine intensivere Kooperation der beiden großen landeseigenen Unternehmen Vivantes (neun Kliniken) und Charité (vier Standorte mit Buch). Diskutiert wurde bereits eine Zusammenarbeit im Südwesten der Stadt, die die Kliniken Benjamin Franklin (Charité), Auguste Viktoria und Wenckebach (beide Vivantes) betreffen würde. Nach Ansicht Einhäupls seien hier aber Vorgaben des Eigentümers, also des Senats, erforderlich, ob Universitätsmedizin oder kommunale Medizin erwünscht sei. Beides zusammen funktioniere nicht, und ein Verkauf des Benjamin Franklin an einen privaten Betreiber komme nicht in Frage. "Es kann auch nicht sein, dass ich mich mit (dem Vivantes-Chef) Herrn Bovelet bei einem Bier zusammensetze und darüber unterhalte, wer welches Krankenhaus zuerst schließt", sagte Einhäupl.

Die Investitionen könnten auch bis zum Jahr 2018 gestreckt werden. Insgesamt beziffert der Vorstand den Investitionsbedarf auf 636 Millionen Euro. Am Montag wird sich der Senat mit der Charité befassen.