Kriminalität

Haftbefehl für Autobrandstifter aus Holland und der Ukraine

In ihrem Kampf gegen die Serienbrandstifter in Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte konnte die Polizei gestern endlich wieder einmal einen Erfolg melden.

Nur wenige Minuten, nachdem auf der Adalbertstraße in Kreuzberg ein Mercedes in Flammen aufgegangen war, haben Zivilbeamte in unmittelbarer Nähe des Tatortes zwei junge Männer festgenommen. Nach Angaben eines Polizeisprechers gelten beide als dringend tatverdächtig.

Gegen 1.50 Uhr hatte ein Passant den brennenden Pkw entdeckt und sofort Polizei und Feuerwehr alarmiert. Noch bevor die Feuerwehr eintraf, begannen Polizeibeamte mit der Absuche der Umgebung. Dabei stießen sie bereits nach kurzer Zeit auf die 24 und 18 Jahre alten Männer. "Beide hatten Verschmutzungen auf ihrer Kleidung, die mit der Tat in Verbindung gebracht werden konnten", erklärte der Polizeisprecher gestern Vormittag. Weitere Einzelheiten nannte er zunächst nicht. Die Verdächtigen wurden dem Polizeilichen Staatsschutz überstellt, der die weiteren Ermittlungen führt.

Ob es den Ermittlern gelingt, über die Festgenommenen eine Spur zu der Szene aufzunehmen, aus der die seit Monaten aktiven Serienbrandstifter kommen, bleibt allerdings fraglich. Bei den Männern handelt es sich um einen Holländer und einen Ukrainer, beide sind nicht in Berlin gemeldet. Denkbar sei, hieß es gestern aus Ermittlerkreisen, dass sich die Verdächtigen wegen der noch bis zum 21. Juni laufenden "Action Weeks" in der Stadt aufhalten. Zu den "Action Weeks" mit einer Vielzahl geplanter Protestaktionen, unter anderem gegen die Umwandlung von Kiezen in Luxusquartiere, hatte die Linke Anfang des Monates europaweit mobilisiert. Aus Polizeikreisen war die Befürchtung geäußert worden, zu diesen Aktionswochen könnten zahlreiche "Krawalltouristen" anreisen.

Dass die Täter keine Berliner sind, könnte sich für die Ermittler allerdings auch als Vorteil erweisen. Bei Verdächtigen ohne festen Wohnsitz in der Stadt greift in aller Regel der Haftgrund der Fluchtgefahr. Gegen beide wurde ein Haftbefehl erlassen, der für den Ukrainer außer Vollzug gesetzt wurde, für den Niederländer jedoch in Kraft trat. Bereits vorher hatte sich ein Beamter für einen Haftbefehl ausgesprochen: "Das würde bedeuten, wir können ausgiebig ermitteln, die Verdächtigen laufen uns ja nicht weg."

Wirbel um einen Haftbefehl im Zusammenhang mit der Brandserie hatte es bereits vor vier Wochen gegeben. Mitte Mai nahmen Polizeibeamte in Friedrichshain eine 21-jährige Berlinerin fest. Die Frau soll zuvor versucht haben, einen Pkw anzuzünden. Sie wurde vernommen, erkennungsdienstlich behandelt und anschließend wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach heftiger Kritik von allen Seiten wurde drei Tage später gegen die junge Frau dann doch noch ein Haftbefehl erlassen. Polizei und Justiz warfen sich gegenseitig Versäumnisse vor.

Die Polizei kritisierte, die Staatsanwaltschaft habe es zunächst nicht für nötig befunden, die Verdächtige einem Haftrichter vorzuführen. Die Staatsanwaltschaft ihrerseits konterte, die Polizei habe nicht die nötigen Beweise liefern können, erst Nachermittlungen des zuständigen Staatsanwaltes hätten die notwendigen Voraussetzungen für einen Haftbefehl geschaffen. Inzwischen versichern Polizei und Justiz einmütig, sie seien zu einer professionellen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Serienbrandstifter fest entschlossen

Die scheint auch dringend nötig, denn ungeachtet der Festnahme zweier Verdächtiger gehen die Brandanschläge auf Nobelkarossen in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte scheinbar unaufhaltsam weiter. Kurz nach der Festnahme der beiden Männer in der Nacht zu gestern gingen vor einem Autohaus an der Gubener Straße in Friedrichshain zwei weitere Fahrzeuge in Flammen auf.