Stadtplanung

Tempelhof: Senatorin bleibt bei ihren Plänen

Nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid vom Sonntag zum Flughafen Tempelhof erwarten die Initiatoren vom Aktionsbündnis be-4-tempelhof, "dass ab sofort keine Entscheidungen mehr getroffen werden, die in Tempelhof vollendete Tatsachen schaffen", so Sprecher Michael Paul.

Dieser Auffassung erteilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gestern umgehend eine Absage. "Der Bürgerentscheid ändert nichts an unseren Plänen", so Petra Rohland, Sprecherin von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD).

Die Senatorin plant an den Rändern des ehemaligen Flugfeldes drei Quartiere mit einer Mischung aus Wohnen und Gewerbe sowie Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen. Parallel zur Europawahl hatten sich am Sonntag rund 60 000 Wähler dafür ausgesprochen, den Denkmalschutz vom Gebäude auf das gesamte Gelände auszudehnen und sich um die Aufnahme in die Unesco-Welterbeliste zu bemühen. Etwa 30 000 stimmten mit Nein. Laut Entscheid soll der Flughafen zudem als "Regierungs-, Rettungs- und Ausweichflughafen" erhalten werden.

Rechtlich bindend ist der Bürgerentscheid nicht, vielmehr handelt es sich um eine Empfehlung an das Bezirksamt. Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) sicherte gestern zu, den Auftrag aus dem Bürgerentscheid umgehend umzusetzen und sich "mit den zuständigen Stellen im Senat, der Denkmalbehörden und der Bundesregierung" in Verbindung zu setzen. Denn nur das Land, nicht aber der Bezirk, kann der Unesco vorschlagen, Tempelhof auf die Welterbeliste zu setzen. "Wir sind stolz, dass gerade fünf Berliner Großsiedlungen in die Welterbeliste aufgenommen wurden", so Petra Rohland. Derzeit bemühe sich Berlin, den Jüdischen Friedhof in Weißensee auf die Liste setzen zu lassen. "Tempelhof hat keine Priorität", so die Sprecherin der Senatsverwaltung.

Auf der heutigen Senatssitzung wird es dennoch um Tempelhof gehen: Der Senat befasst sich mit den für die Baupläne notwendigen Grundstücksankäufen.