Fashion Week

Modewoche doch am Bebelplatz

In sieben Wochen, am Mittwoch, dem 7. Juli, werden wieder Models einen Laufsteg auf und ab laufen - und zwar an der Stelle, an der ziemlich genau 77 Jahre zuvor Bücher von Brecht, Tucholsky und Hemingway verbrannt wurden.

Gestern Abend wurde bekannt, dass trotz vehementer Kritik am Standort die Berliner Modewoche nun auch zum sechsten Mal auf dem Bebelplatz stattfindet. Nach Angaben der Veranstalter konnte kein neuer Platz für die Fashion Week gefunden werden, die vom 7. bis zum 11. Juli in Berlin startet. "Wir planen daher mit einer Rückkehr zum Bebelplatz", bestätigte ein Sprecher der Agentur IMG am Mittwochabend gegenüber der Berliner Morgenpost. Das Team wolle wie auch in der Vergangenheit sicherstellen, dass das Mahnmal respektvoll behandelt werde. Es soll während der Veranstaltung weiter besucht werden können.

Um den Standort hatte es eine zum Teil erhitzte Debatte gegeben, weil dort ein Denkmal an die Bücherverbrennung von 1933 erinnert. Die eigens gegründete "Initiative Bebelplatz" hatte sich mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes zusammengetan und den Petitionsausschuss angerufen. In ihrem Schreiben haben sie die Fashion Week an diesem Ort als eine "Schande" bezeichnet, als "einen aggressiven Eingriff in das Denkmal und seine Funktion". Schon vor einem Jahr hatte es eine Petition gegeben, die allerdings nicht verhindern konnte, dass im Januar die Fashion Week dort stattfand.

Für den kommenden Januar jedoch ist noch nicht klar, wo die Fashion Week eröffnet. Der Petitionsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses hatte sich gegen den Bebelplatz als dauerhaften Standort ausgesprochen. Für kulturelle Veranstaltungen sei der Platz geeignet, sagte der Ausschussvorsitzende Andreas Kugler (SPD), für kommerzielle jedoch nicht. Die Fashion Week wird unter anderem vom Autohersteller Mercedes finanziert, dessen Name auch im Logo der Veranstaltung genannt wird.

Neuer Standort für 2011

Andererseits will auch der Petitionsausschuss die Modewoche in Berlin halten. "Die Fashion Week ist eine Attraktion für die Stadt und soll nicht vertrieben werden", betonte der Vize-Ausschussvorsitzende Gregor Hoffmann (CDU). Als mögliche Alternativstandort für die Modemesse waren unter anderem der Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof und die Straße des 17. Juni vorgesehen - in angemessenem Abstand zum Brandenburger Tor. An dieser Stelle gab es bereits die Fanmeile zur Fußball-WM. Die Infrastruktur mit Wasser- und Stromanschlüssen soll dort weiter verbessert werden.

Für die Ausgabe der Fashion Week in diesem Sommer jedoch sei kein geeigneter Alternativort gefunden worden. "Über zwanzig Plätze haben wir uns zusammen mit Vertretern der Senatsverwaltung angeschaut", sagt der IMG-Sprecher der Berliner Morgenpost, "aber bei keinem der Plätze konnten Sicherheitsbedenken vollständig ausgeräumt werden." Dabei fand die Fashion Week nicht immer am Bebelplatz statt. Die erste Ausgabe der Modewoche eröffnete im Sommer 2007 vor dem Brandenburger Tor. Erst ein Jahr darauf zog sie auf den Platz gegenüber der Humboldt-Universität.

Die Fashion Week will sich der Debatte um den Bebelplatz nicht versperren. Sollten Bürger vor Ort ihre Meinung zur Nutzung des Bebelplatzes äußern wollen, so der Sprecher weiter, werde man diese willkommen heißen und so den öffentlichen Diskurs zum Thema unterstützen. So hatten es die Organisatoren bereits bei der vergangenen Fashion Week im Januar dieses Jahres gehandhabt.