Flughafen Tegel

Mit der Kraft der Sonne

| Lesedauer: 4 Minuten
Gilbert Schomaker

Der Flughafen Tegel soll zu einem Industriepark mit eigener riesiger Solaranlage und Hubschrauberlandeplatz umgebaut werden. Die Landebahnen sollen als große Alleen erhalten bleiben. Das sieht ein Vorschlag der CDU vor, den die Partei gestern präsentierte.

Er unterscheidet sich in einem Punkt von den bisherigen Überlegungen des Senats für die Zeit nach der Einstellung des Flugbetriebs 2011: Wohnungen sollen auf dem 466 Hektar großen Areal nicht entstehen.

"Wohnungsbau auf dem heutigen Flughafengelände wäre ein großer Fehler", sagte der Architekt Jürgen Fissler, Mitglied einer Arbeitsgruppe der Union, die sich seit einem halben Jahr mit der Zukunft des innerstädtischen Flughafens beschäftigt. "Denn dort, wo gewohnt wird, braucht man mindestens einen Abstand von 300, wenn nicht 500 Metern zu Industriebauten", sagte der Spandauer Baustadtrat Carsten-Michael Röding (CDU). Die Union will aber Tegel zu einem möglichst großen Industriegebiet weiterentwickeln. Daher auch der Name des Vorhabens: "Solar- und Industriepark TXXL". TXL ist das Flughafenkürzel für Tegel, XXL steht für besonders groß.

20 000 neue Jobs

Besonders groß ist auch die Zahl der Arbeitsplätze, die die CDU sich in Tegel erhofft. 20 000 neue Jobs sollen dort entstehen. "Wir wollen keine Rumpflösung, sondern eine große Idee für eine große Fläche", sagte gestern CDU-Fraktions- und Parteichef Frank Henkel. Das Konzept sieht vor, dass das Terminal und die Landebahnen erhalten bleiben. "Das Terminal des Architekten Meinhard von Gerkan wollen wir nicht verändern", sagte Architekt Fissler. Für das Areal dahinter, das eigentliche Flugfeld, legte die Union gestern detaillierte Planungen vor. Die Idee für das Areal gründet auf einer umweltverträglichen Ansiedlung von Industrie. Im Norden des heutigen Flughafens soll ein riesiges Solarkraftwerk entstehen, das mindestens 30 Megawatt Strom liefern kann. Mit dieser Energie soll die Industrie beliefert werden, die auf dem Flugfeld angesiedelt werden soll.

Die CDU will für die Ansiedlung eine internationale Bauausstellung plus (IBA plus) initiieren, durch die ökologische Industriebauten auf dem Areal errichtet werden. Dabei geht es nicht um Solarindustrie. Die CDU kann sich vorstellen, dass dort beispielsweise auch Autos mit Elektromotor gebaut werden. "Wichtig ist, dass wir eine möglichst große Fläche für Industrieansiedlung anbieten können", sagte Baustadtrat Röding. Er verwies darauf, dass an vielen Stellen der Stadt Firmen sich wegen der angrenzenden Wohnbebauung nicht nach ihren Wünschen vergrößern könnten. Das führe dann zum Wegzug der Unternehmen. Röding schilderte das Beispiel eines Röhrenherstellers aus Spandau, der seine Produktion nun nach Brandenburg verlagern werde.

Mit den möglichen zwei Autobahnanschlüssen im Norden und im Süden habe Tegel als Standort für neue Arbeitsplätze eine gute Anbindung, sagte Architekt Fissler. Neben der Ansiedlung von Gewerbe und Industrie in verschiedenen Bauabschnitten sollen die 65 Meter breiten Landebahnen als "Fußabdruck" von Tegel erhalten bleiben und zu großen Alleen ausgebaut werden. Neben den Terminalgebäuden, für die sich der Architekt Gerkan Büros und Forschungseinrichtungen vorstellen kann, soll ein Hubschrauberlandeplatz entstehen. Skeptisch sieht der Architekt den von Gerkan geplanten großen Turm am Terminal, durch den mittels Aufwinde ein Windkraftwerk entstehen soll. Fissler rechnet mit erheblichen Verwirbelungen im Terminalbereich und hält den hohen Turm deswegen nicht für sinnvoll. Neben Solar will er auch noch auf die Verfeuerung von Holz aus dem Tegeler Forst setzen. Der westliche Teil des Flughafens soll dafür aufgeforstet werden.

Insgesamt schätzte Fissler das Investitionsvolumen auf zwei Milliarden Euro, wobei der öffentliche Anteil deutlich niedriger ist. Neue Unternehmen sollen durch günstige Grundstücke und die Deklarierung des Gebietes als "Investitionsförderungszone" angelockt werden. Berlin soll im Wesentlichen durch die Gewerbesteuer und die Schaffung neuer Arbeitsplätze von der Neuansiedlung profitieren.

Mit den gestern vorgestellten Planungen nimmt die CDU auch Abschied von der in Teilen der Partei diskutierten Offenhaltung Tegels als Flughafen. Zuletzt hatte der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen eine solche Offenhaltung mit Blick auf die engen Kapazitäten in Schönefeld angeregt. Dem entgegnete gestern Fraktions- und Parteichef Henkel: "Die Schließung ist nicht abzuwenden. Es gibt für eine Offenhaltung als Flughafen weder eine politische Mehrheit, noch eine rechtliche Chance."