Verfassungsschutzbericht

Körting warnt vor radikalem Prediger

Axel Lier und Stefan Schulz

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat gestern vor einem wachsenden Extremismus in der Stadt gewarnt. "Die Gefährdungen durch den Islamismus, den Rechts- und Linksextremismus sind eher größer geworden. Die Bereitschaft, Gewalt anzuwenden, ist bei allen Gruppierungen gestiegen", sagte er bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts.

Vor allem die erstarkten radikalen Strömungen des Islamismus machen den Berliner Sicherheitsbehörden Sorgen. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der gewaltorientierten Islamisten um 110 auf 430 Personen gestiegen. Körting zufolge hat sich das Bild vor allem beim transnationalen islamistischen Terrorismus seit den Anschlägen in den USA von 2001 geändert. Mittlerweile gebe es ein "selbst wachsendes Netz". Dessen Mitglieder planten aufgrund ihrer Ideologie Anschläge, ohne dass sie "aus der afghanisch-pakistanischen Grenzregion dazu angestiftet werden".

Vor allem der orthodoxe Salafismus, eine archaische Form des Islamismus, erlebe in Berlin einen starken Zulauf. Körting sprach von einem Risiko, dass sich aus dieser orthodoxen Haltung eine weitere Radikalisierung entwickeln könnte. In Berlin machten ein salafistischer Prediger und ein Verlag bundesweit von sich reden. Claudia Schmid, Chefin der Berliner Verfassungsschützer, sagte, dass die Ideologie der Salafisten nahezu deckungsgleich mit der des Terrornetzwerks al Qaida und besonders radikal sei: "Wir halten die Salafisten für die am schnellsten wachsende Gruppierung der Islamisten."

Bei dem salafistischen Prediger handelt es sich nach den Worten der Verfassungsschutz-Chefin um einen charismatischen Imam der Neuköllner Al-Nur-Moschee namens Abdul Adhim, der aus Marokko stammt. Er steht im Fokus der Verfassungsschützer, weil er die "Ungläubigen" kritisiert und vor allem junge Menschen anspricht und Nichtmuslime, die er zur Konversion bewegen wolle. 75 Ratschläge predigt Abdul Adhim, die sich vor allem um Kindererziehung drehen, aber das Miteinander mit Andersdenkenden aussparen.

Der Verfassungsschutz werde die Entwicklung weiter beobachten. Innensenator Körting warnte aber davor, sich zu viele Hoffnungen auf ausländerrechtliche Maßnahmen zu machen, um dort einzugreifen. "Wir müssen sie nach hiesigen Gesetzen stellen", sagte Körting.