Forschungswettbewerb

15 Millionen für Berliner Medizin-Projekt

Für Berliner Charité-Mediziner hat der Hauptstadtkongress "Medizin und Gesundheit" gestern mit einer Erfolgsnachricht begonnen: Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die Region Nord-Brandenburg beim Bundeswettbewerb "Gesundheitsregionen der Zukunft" zum Sieger gekürt.

Gemeinsam mit einem zweiten Preisträger gibt es für die Umsetzung der Forschungs- und Entwicklungsprojekte in den kommenden vier Jahren jeweils 15 Millionen Euro. Beteiligt an der Entwicklung des Projekts in Nord-Brandenburg ist der Berliner Charité-Kardiologe Friedrich Köhler. "Ziel unseres Vorhabens ist es, in ländlichen Regionen, wo es wenig ambulante Kardiologen gibt, die medizinische Versorgung für die Patienten zu verbessern", sagt der Herzspezialist.

In der ausgewählten Region Nord-Brandenburg gebe es weniger als zehn ambulante Kardiologen. Deshalb müssten herzkranke Patienten bisher oft sehr lange warten, bis sie einen Termin bei einem Facharzt bekommen. Um diese Wartezeit zu verkürzen, so Köhler, soll ein sogenannter Wander-Kardiologe an festen Tagen Sprechstundentermine bei Hausärzten in Nord-Brandenburg abhalten. Der Reise-Mediziner könnte mit einem mobilen Ultraschallgerät und einem EKG-Gerät herzkranke Brandenburger untersuchen. Für komplizierte Eingriffe wie eine Herzkatheteruntersuchung müsste der Reise-Arzt die Patienten allerdings weiter überweisen.

Das zweite Standbein des neuen Projekts beinhaltet Telemedizin auf Rezept für herzschwache Patienten. Patienten im Land Brandenburg, die unter einer Pumpschwäche des Herzens leiden, werden mit mobilen Medizin-Geräten ausgerüstet. Die Apparate bestehen aus einer Waage, einem Blutdruckmessgerät, einem EKG zur Messung der Herzrhythmuskurve und einem Apparat zur Kontrolle der Sauerstoffsättigung im Blut.

Mit den Instrumenten kontrollieren die Patienten ihre Werte eigenständig zu Hause. Die Daten werden automatisch ins Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin der Universitätsklinik Charité gesendet und dort ferndiagnostisch von Kardiologen überprüft. Weichen die Werte gravierend ab, verordnen die Ärzte andere Arzneidosierungen oder alarmieren im schlimmsten Fall einen Notfallmediziner vor Ort. Dieses Projekt befindet sich bereits bei 700 Herzkranken in der Erprobung.

Die dritte Säule des Zukunftsprojekts: Patienten können durch einfache Bluttests selbstständig neue Herzinfarktmarker in ihrem Blut nachweisen. Diese Schnellproben müssen noch entwickelt werden. Gemeinsam mit Brandenburger Medizin-Firmen, Ärzten und gesetzlichen Krankenkassen wollen die Berliner Universitätsmediziner das neue Versorgungskonzept für Herzkranke in ländlichen Regionen realisieren.