Projekt der TU

Preisgekrönte Innovation

Zum Glück scheint ausnahmsweise mal die Sonne. Radfahren bei Regen macht schließlich keinen Spaß. Schon gar nicht ohne Schutzbleche. Die hat Berlins erstes "Bamboo-Bike" nicht. Noch nicht. Ist ja auch ein Prototyp. Ansonsten scheint alles dran an dem Bambusfahrrad, auf dem ich an diesem selten sonnigen Maimorgen um 9 Uhr eine kleine Proberunde drehe.

Der Lenker wackelt ein bisschen, die Kette knackt, aber das Öko-Rad mit Bambusrahmen fährt sich nicht anders als mein Stadtrad aus Stahl. Ob auf Asphalt oder über hohe Bordsteine - das Naturgestänge federt Unebenheiten gut ab, das Fahrrad ist stabil und wendig. Volles Rohr radle ich mit dem karamellfarbenen Bamboo-Bike über die Rigaer Straße in Friedrichshain. Dort wohnt der Entwickler des Gefährts: Thomas Finger, Student der Luft- und Raumfahrttechnik an der Technischen Universität (TU). Finger ist Mitbegründer der Hochschulgruppe "grüneUni", die sich für mehr Nachhaltigkeit engagiert.

Preisgekrönte Innovation

Das Material für den Naturrahmen hat der Wahlberliner Finger in seiner Heimat Hessen in einer Bambusgärtnerei selbst geerntet. Knapp sechs Meter gut gewachsenes Pflanzenrohr unterschiedlicher Dicke. "Das tragende Rohr in der Mitte des Rades ist etwas dicker als die anderen Rahmenteile", erklärt Thomas Finger. Verklebt werden die Rahmenstücke mit Hanffasern und Bio-Epoxidharz. Teure Designräder aus Schwer- oder Leichtmetall sind für den umweltbewussten Radpionier "der reinste Horror. Da wird einfach unnötig viel Energie verpulvert", sagt der sonst eher ruhige Umweltaktivist offensichtlich verärgert. Finger ist überzeugt: "In Zeiten der Rohstoffverknappung und des Klimawandels können wir uns diese Energieverschwendung einfach nicht mehr lange leisten."

Deshalb engagiert sich der TU-Student auch für die Rohstoffwende - weg von den fossilen und nicht mehr erneuerbaren, hin zu nachwachsenden Rohstoffen. Beispielsweise Bambus. Denn das Pflanzenrohr wächst nicht nur überaus schnell wieder nach, es lässt sich zudem auch umweltfreundlich verarbeiten. Alles öko - logisch! Besser geht's nicht, meint offenbar nicht nur Finger. So wurde das Projekt "Berlin Bamboo Bikes" erst kürzlich im bundesweiten Innovationswettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" ausgezeichnet.

Für Finger und seine Mitstreiter ist diese Auszeichnung Ansporn, weiterzumachen. Acht Bambusräder des Projekts sind mittlerweile in Berlin unterwegs.

Vor drei Jahren kam Finger die Idee mit dem Rad auf Pflanzenbasis. Ganz neu ist sie allerdings nicht. Bereits 1894 gab es Bambusräder in England, doch kamen die Erfinder damals offensichtlich nicht allzu weit damit. Der Pflanzenrohstoff setzte sich nicht durch. Finger hofft bei seinem Projekt auf bessere Zeiten. "Natürlich arbeiten wir darauf hin, dass unsere Räder serienreif werden."

Anleitung zum Selbstbau

Damit nicht nur der Rahmen, sondern auch die anderen Teile des Rads aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden können, soll jetzt eine Projektwerkstatt an der TU eingerichtet werden, die mögliche metallfreie Ersatzteile erforscht und entwickelt. Noch diesen Sommer soll die Projektwerkstatt an der TU Berlin starten, der Antrag dafür ist in Arbeit.

Nicht wissenschaftlich, sondern praktisch ist der Ansatz des "Selbstbauworkshops", den Fahrradfreund Finger Interessenten eines Bambusrades anbietet. Die Kosten des zwei- bis dreitägigen Workshops inklusive Material und Anleitung betragen 190 Euro.

Für Maren Streibel, Studentin in Internationaler Umweltpolitik, ist das Bamboo-Bike "eine Idee mit Zukunft". Die 22-Jährige legt wöchentlich etwa 100 Kilometer mit dem Rad zurück. Nach meiner Testfahrt kann ich das verstehen.

Infos zu dem Projekt im Internet unter: www.berlin-bamboo-bikes.org