Deutsch-Olympiade

Schüler reden und reimen um die Wette

Statt im Klassenzimmer vor der Tafel durften sich 32 Neuntklässler aus verschiedenen Bundesländern am Sonntagvormittag auf der Bühne des Deutschen Theaters Berlin präsentieren. Die Teilnehmer am Bundesfinale der Deutsch-Olympiade fühlten sich dort sichtlich wohl, ganz so, als machten sie das alle Tage.

Wohl fühlte sich auch das Publikum. Es feierte die 32 Finalisten wie Popstars - mit tosendem Beifall und lauten Rufen, mit Gekreische, Tröten und Fanplakaten.

Großen Beifall gab es dann natürlich für jede der Darbietungen. Beim Wettbewerbsteil Erklären, den die Gymnasiasten zu bestreiten hatten, gab es außerdem viel zu lachen. Wer wusste schon, dass ein "Piratenzieher" ein spezieller Apparat ist, um Piraten ausfindig zu machen und an Land zu ziehen. So jedenfalls erklärten die Schüler aus Hamburg diesen ausgedachten Begriff. Die Kelkheimer sollten darlegen, was ein "Sprungfinger" ist. Dieses Sportgerät, gaben die hessischen Schüler vor dem Publikum zum Besten, habe ein Automechaniker aus Rüsselsheim erfunden. Man könne damit drei Meter weit und anderthalb Meter hoch springen und auf diese Weise schnell von einem Ort zum anderen gelangen. Diese Fortbewegungsart sei allerdings nicht ungefährlich und habe schon zu Arm- und Beinbrüchen geführt, hieß es weiter.

Die Berliner sollten die Wortschöpfung "Gipfelschicht" erklären. Das sei eine Plastikschicht, die über die Berggipfel gespannt werden würde, um die Lawinengefahr einzudämmen, beschrieben David Dieter, Robert Fritzen, Lisa Huhn und Maurice Stegen vom Charlottenburger Schiller-Gymnasium "ihren" Begriff.

Jede Menge Spaß brachte Teilnehmern wie Publikum die Kategorie Erzählen. Die Teams der mittleren Schulform erhielten jeweils einen Satz, mit dem ihre Erzählung beginnen und mit dem sie enden sollte. Zwischen diesen Sätzen entwickelten die Schüler ganze Dramen, die von Mafiosi, Bankräubern, Hänsel und Gretel und falschen Toten handelten. Die Jury freute sich am Ende über die lebendig erzählten, äußerst fantasievollen Geschichten.

Furiose Geschichten

Etwas platt und weniger wortgewandt fielen indes die Reime aus, die sich die Gymnasiasten aus dem Stegreif auszudenken hatten. Diese Schwäche wurde aber spätestens in der Kategorie Darstellen wieder wettgemacht. Die Teams bekamen jeweils ein Schlagwort und zwei Charaktere zugewiesen, aus denen ein kleines Theaterstück werden sollte. Am überzeugendsten waren hier die Hamburger, die aus "Erledigt" und den Rollen eines Glasers sowie eines Bankangestellten eine furiose Geschichte über Leben und Tod entwickelten. Insgesamt hatten mehr als 44 400 Schüler aus 600 Schulen aller Schulformen an der Deutsch-Olympiade teilgenommen. Jeweils vier Teams im Bereich Hauptschule und Mittlerer Schulabschluss sowie im Bereich Gymnasium konnten sich nach Schul- und Landeswettbewerben für das Bundesfinale qualifizieren. Mit dabei das Team des Berliner Schiller-Gymnasiums. Die vier Schüler der Klasse 9eu1 teilten sich am Ende mit den Schülern des Eichendorff-Gymnasiums Kelkheim den dritten Platz. Über Platz eins im Bereich Gymnasium konnte sich das Team vom Wilhelms-Gymnasium Stuttgart freuen. Der zweite Platz ging an das Gymnasium Marienthal in Hamburg.

Platz eins im Bereich Hauptschule und Mittlerer Schulabschluss belegte das Team der Integrierten Gesamtschule Peine. Den zweiten Platz in diesem Bereich erhielten die Schüler der Staatlichen Realschule im bayerischen Brannenburg. Den dritten Platz teilten sich hier die Potsdamer Voltaireschule sowie die Realschule Halden aus Hagen. Sämtliche Preisträger wurden vom Publikum geradezu frenetisch gefeiert. "Wir waren dieses Mal zu nervös", kommentierte Lisa vom Schiller-Gymnasium den dritten Platz der Berliner. Trotzdem sei es super, dass sie soweit gekommen sind, fügte David hinzu.

Bei aller Freude gab es am Ende des Bundesfinales die bange Frage, wie es weitergehen wird. "Bisher wurde der Wettbewerb vom Goethe-Institut und der Hertie-Stiftung ausgerichtet. Nun ist nur noch die Hertie-Stiftung zuständig. Aus finanziellen Gründen wird es deshalb zumindest im kommenden Jahr keinen Bundeswettbewerb geben", sagte Kristina Raab, die bisher Projektleiterin der Deutsch-Olympiade war. Nachfolgerin ist Mareike Claus von der Hertie-Stiftung. "Wir brauchen ein Jahr Zeit, um ein neues Konzept für die Olympiade zu erarbeiten", sagte sie. Danach gebe es hoffentlich auch wieder ein Bundesfinale.