Stadtplanung

Streit um Bahn zum neuen Flughafen

"Trauerspiel", "provinziell" und "unter aller Kanone". Wenn Grünen-Verkehrsexpertin Claudia Hämmerling, wie gestern im Berliner Abgeordnetenhaus, über die Schienenanbindung des künftigen Großflughafens BBI spricht, fallen harte Worte.

Sie wirft dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) schwere Versäumnisse und Fehlplanungen vor.

Auch durch ihre Schuld, so Hämmerling, sei immer noch unklar, wann die schnelle Bahnanbindung zwischen Innenstadt und BBI über die Dresdner Bahn (Airport-Express) realisiert wird. Und das ist nicht der einzige Kritikpunkt. Bei der Planung der Ostanbindung setze man zudem auf eine Trassenführung, die wegen des Verlaufs durch das Erholungsgebiet Bohnsdorfer Wald voraussichtlich Klagen nach sich ziehe. Die S-Bahn-Anbindung führe durch eine acht Kilometer längere Schleife zu unnötig längeren Fahrzeiten. Zudem müssten Züge wegen des Umbaus am Ostkreuz umgeleitet werden.

Hämmerlings Urteil: Während die Autobahnanbindung für den Großflughafen bereits frühzeitig fertiggestellt ist, würden die für das Bahnkonzept des BBI geplanten Investitionen von 636 Millionen Euro buchstäblich "im märkischen Sand" versenkt.

Bau der Dresdner Bahn fraglich

Tatsächlich muss die Senatsverwaltung einräumen, dass der Bau der Dresdner Bahn nach wie vor in den Sternen steht. Grund ist nach Auskunft der Deutschen Bahn die "aktuelle Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zum Thema Schutz vor Schall". Die Planungen, die ursprünglich bereits 2008 abgeschlossen sein sollten, müssten derzeit noch überarbeitet werden, zusätzliche Untersuchungen seien dazu nötig. Fazit der Bahn: Es sind "keine konkreten Aussagen darüber möglich, wann der Planfeststellungsbeschluss ergeht".

Ohne Planungsrecht, kann nicht gebaut werden an der Strecke, über die ein Großteil der Passagiere zum BBI kommen soll. Statt der schnellen Zug-Verbindung in 13 Minuten vom Bahnhof Südkreuz zum Großflughafen müssen Fluggäste demnach noch lange nach der geplanten BBI-Eröffnung im November 2011 mit einer längeren Bahnfahrt über die Trasse der Anhalter Bahn vorlieb nehmen.

Und das ist nicht die einzige Bahnverbindung, die bereits hinter dem Zeitplan zurückliegt. Auch für die Ostanbindung des BBI liegt nach wie vor kein Planfeststellungsbeschluss vor, wie die Bahn einräumt. Anders als bei der Dresdner Bahn halten die Verantwortlichen für die Flughafen-Anbindung aus Richtung Cottbus, Görlitz und Königs Wusterhausen bislang noch offiziell am Ziel fest, sie rechtzeitig zur BBI-Eröffnung fertigzustellen. Dafür wäre aber ein Baustart spätestens Ende 2009 nötig. Angekündigte Klagen von Anwohnern und Umweltverbänden gegen die Trasse durch den Bohnsdorfer Wald samt Eilanträgen zum vorläufigen Baustopp könnten dieses Ziel indes unrealistisch werden lassen, wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Beantwortung einer Großen Parlamentsanfrage der Grünen bestätigt. Dort arbeitet man deshalb schon an einem Alternativplan, um die im Durchschnitt von der Bahn prognostizierten etwa 11 400 täglichen Fahrgäste aus dem Südosten zum BBI und zurück zu bringen. Sollte die Ostanbindung nicht rechtzeitig fertig werden, "würde die Zwischenlösung in einem Umsteigen am Bahnhof Schönefeld in die S-Bahn zum Terminal bestehen", so die Senatsverwaltung. Die von den Grünen geforderte veränderte Trassenführung entlang der Autobahn A 113 in Richtung Grünauer Kreuz lehnt Senatorin Junge-Reyer mit Verweis auf den "rechtskräftigen Landesentwicklungsplan" ab. Grundsätzlich sei bei Inbetriebnahme des neuen Großflughafens in Schönefeld "eine Schienenanbindung" gewährleistet", wehrt sich Junge-Reyer gegen die Kritik der Grünen. Am ehrgeizigen Ziel, langfristig knapp die Hälfte aller Fluggäste mit der Bahn zum Terminal zu befördern, hält sie daher fest.

Die Verkehrsexpertin der Grünen Hämmerling will sich damit nicht zufrieden geben. Sie will vom Senat weiter Antworten auf die noch offenen Fragen. Die Senatorin wiederhole nur "gebetsmühlenartig" ihr Credo "Alles im grünen Bereich, wird schon", so Hämmerling. Dabei gefährde die Sozialdemokratin mit der schlechten Schienenanbindung sogar die Straßeninfrastruktur. Wenn viele Fluggäste mit dem Auto zum BBI fahren, gehe auch auf der Autobahn A 113 "nichts mehr".