Kritik an "Bettelbrief"

Luftbrücke: Sponsoren für Feier gesucht

Der Flughafen Tempelhof sorgt ein halbes Jahr nach seiner Schließung noch einmal für Aufregung. Dort soll am 12. Mai der 60. Jahrestag des Endes der Berliner Luftbrücke gefeiert werden.

Erst Ende März aber beauftragte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Agentur Flaskamp, einen Sponsorenbrief an Berliner Wirtschaftsunternehmen zu schreiben. In dem Brief mit Datum vom 30. März heißt es, das Land Berlin wolle eine "würdige und angemessene Veranstaltung" gestalten und brauche dafür finanzielle Hilfe. Die angeschriebenen Firmen erhielten anbei einen allgemein gehaltenen und eher unpersönlichen Brief des Regierenden Bürgermeisters, wo er um "Mitwirkung und Hilfe von Sponsoren" wirbt, sowie den 15-minütigen Film "Blockade und Luftbrücke".

Der Brief komme reichlich spät, findet die Berliner CDU. Der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Union, Frank Henkel, warf Wowereit vor, "stiefmütterlich" mit der Geschichte der Stadt umzugehen. "Der wertvollste Beitrag zur Erinnerung an das Ende der Luftbrücke vor 60 Jahren wäre die Offenhaltung des Flughafens gewesen", schimpft Henkel. "Wowereits unehrliche Art des Umgangs mit dieser Lebensader Berlins und mit der Erinnerung der Menschen, die für Tempelhof gekämpft haben, ist schwer erträglich und unwürdig."

Für den Regierenden Bürgermeister sei dieser für die Berliner Freiheitsgeschichte bedeutende Jahrestag offenbar nur ein Pflichtprogramm, sagt der CDU-Chef. "Jetzt fünf Minuten vor der Angst die Berliner Wirtschaft auf diesem Weg um Geld anzubetteln, ist schäbig."

Tag der offenen Tür auf Flugvorfeld

In dem Sponsorenbrief wird angekündigt, dass am 12. Mai wichtige Persönlichkeiten der Alliierten und mehr als 100 Veteranen der Luftbrücke erscheinen wollen. Geplant seien eine Gedenkveranstaltung am Luftbrückendenkmal, eine Festveranstaltung für internationale und nationale Gäste in der Abflughalle und ein Tag der offenen Tür für die Berlinerinnen und Berliner auf dem Flugvorfeld. Inhaltlich werde die Veranstaltung durch mehrere Verbände, Stiftungen und Vereine gestaltet, beispielsweise durch die Stiftung Alliierte in Berlin, das Technikmuseum, die Berlin British School, das Alliierten-Museum, die John-F.-Kennedy-Schule und das Französische Gymnasium.

Die Senatskanzlei ist gerade dabei, das konkrete Programm abzustimmen. Senatssprecher Richard Meng sagte der Berliner Morgenpost, dass die Details erst in zwei Wochen präsentiert werden. So lange müsse man sich gedulden, Das Grundkonzept und die Grundfinanzierung stünden bereits. "Es ist aber noch offen, wie viele Sponsorengelder zur Verfügung stehen." Dann erst könne man das Programm konkretisieren.

Wie viel Geld das Land Berlin einsetzt, konnte der Senatssprecher nicht sagen. In jedem Fall stehen 400 000 Euro von der Lotto-Stiftung bereit. Bei ihrer ersten Ausschüttung dieses Jahres war von den Lottomitteln in Höhe von 8,8 Millionen Euro auch dieser große Teil für die Party zum Ende der Blockade zur Verfügung gestellt worden. Was noch dazu kommt, wird nicht unwesentlich von den Sponsoren abhängen, die dafür aber in den kommenden Tagen noch eifrig spenden müssen. Denn viel Zeit ist nicht mehr.

Werbe-Stand für Sponsoren

Heute in vier Wochen gehen Gedenk- und Festveranstaltung über die Bühne. Für die Geldgeber gibt es von Seiten des Landes Berlin auch ein Entgegenkommen. So heißt es in dem Schreiben: "Als Gegenwert für die Sponsoren ist vorgesehen, dass sie am Empfang für die internationalen und nationalen Gäste teilnehmen können. Die Logos der Sponsoren werden in den Publikationen abgebildet und sie können sich bei der Veranstaltung mit einem Stand präsentieren." Senatssprecher Meng jedenfalls versichert: "Es wird eine würdige Veranstaltung geben."

Vor einem Jahr, als der Blockade-Beginn 60 Jahre vergangen war, war das dem Senat keine Feier wert. Offizieller Festakt sei am 12. Mai 2009, hieß es. Schließlich werde stets des Jahrestages des Endes der Luftbrücke gedacht. Dafür gab es von der Opposition scharfe Kritik. Die Diskussion darüber fand zur gleichen Zeit statt wie die angekündigte Schließung des traditionsreichen Airports zum 30. Oktober 2008 durch das Land Berlin und das Volksbegehren der Flughafenbefürworter. Letztere scheiterten schließlich vor einem Jahr mit ihrem Volksbegehren, weil sie nur 21,7 Prozent der 2,4 Millionen Berliner Wähler für eine Unterstützung gewinnen konnten. 25 Prozent, also mehr als 600 000 Stimmen wären aber für eine Offenhaltung nötig gewesen.

Eine Erinnerung an die großen Tage von Tempelhof wird übrigens in diesem Jahr wiederkehren: Die Organisatoren planen, dass der berühmte Rosinenbomber über Tempelhof kreist und Süßigkeiten auf das Flugplatz-Vorfeld abwirft.