Daten verkauft

Bewährungsstrafen für Polizisten

Er habe sich nichts dabei gedacht und lediglich dem Freund eines Bekannten einen Dienst erweisen wollen - sagte der 25-jährige René M. vor einer Moabiter Strafkammer.

Das ist eine etwas fragwürdige Behauptung. Denn M., der jetzt als Bauhelfer tätig ist, war damals Polizeimeister. Und er wusste natürlich sehr genau, dass er gegen Gesetze verstieß, als er persönliche Daten aus seinem Dienstcomputer einfach weitergab. Für rund 50 Euro pro Information. Juristen nennen das Bestechlichkeit und Verrat von Dienstgeheimnissen.

Ende der Polizei-Karriere

René M. und zwei Polizeikollegen wurden dafür gestern zu Strafen zwischen zwölf und 24 Monaten verurteilt; zwar ausgesetzt zur Bewährung, doch diese wegen vorsätzlicher Straftaten gefällten Urteile bedeuten, dass die Laufbahn als Polizeibeamter beendet ist.

Mitglieder der Ermittlungsgruppe Postbank hatten schon im Juni 2007 vier Bandenmitglieder festgenommen, die seit Monaten Betrügereien betrieben: Sie fischten Bankbriefe aus Briefkästen, eröffneten mit den Daten der Kunden Zweitkonten und orderten EC-Karten. Danach transferierten sie auf diese neuen Konten mit Hilfe fingierter Überweisungen Geld und hoben es an Automaten ab. Bis Mai 2007 erbeuteten sie 100 000 Euro.

Im Dezember 2007 wurden die Betrüger zu Freiheitsstrafen zwischen zwei und fünfeinhalb Jahren verurteilt. "Unklar war für uns bis dahin aber immer noch, woher die Täter die notwendigen Geburtsdaten für die Eröffnung der Konten hatten", sagte gestern die Leiterin der Ermittlungsgruppe. Einer der Verurteilten habe dann jedoch um eine weitere Vernehmung gebeten und den verblüfften Ermittlern von den korrupten Polizisten berichtet. "Wir konnten das erst gar nicht glauben", sagte die Zeugin. Nach Sichtung der Aufzeichnungen des Polizeicomputers hätten sich diese Beschuldigungen jedoch bestätigt.

"Dieses Vorgehen wirft ein bezeichnendes Licht auf die Berufseinstellung der Beamten", sagte der Staatsanwalt bei seinem Abschlussplädoyer. "Sie haben die Seite gewechselt." Und ihm könne hier auch keiner weismachen, dass er quasi für einen guten Zweck nur habe helfen wollen. "Das hat von Anfang an gestunken", sagt er in Richtung der Angeklagten, "und das haben sie auch ganz genau gewusst".

In der Kneipe angesprochen

Diese Kritik zielt nicht nur auf die bagatellisierende Aussage von René M.; Unglaubwürdiges hatte auch sein Berufskollege Alfred J. zu Protokoll gegeben. Der 43-Jährige war in seiner Stammkneipe in Wedding von einem Bekannten angesprochen worden, ob er mit Daten aus dem Polizeicomputer helfen könne. Anfangs, sagte Alfred J., sei es angeblich um ein geplantes Klassentreffen gegangen. Er habe an den doch sehr unterschiedlichen Geburtsdaten "dann aber schnell gemerkt, dass das nicht stimmen kann". Anschließend habe der Bekannte behauptet, er verkaufe Lebensversicherungen. Und da sei es günstig, wenn man schon vorher das Geburtsdatum des anvisierten Kunden habe und ihm die Raten genau vorrechnen könne. Das will der Polizist angeblich geglaubt haben.