Architektur

Einheitsdenkmal: Zeitplan bleibt

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Isabell Jürgens und Katrin Schoelkopf

Die Auslober des Wettbewerbs für das geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal auf dem Schloßplatz, Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD), halten trotz des gescheiterten Verfahrens daran fest, am 9. November, dem 20. Jahrestag des Mauerfalls, einen Siegerentwurf präsentieren zu können.

"Wir streben einen Einladungswettbewerb an", so ein Sprecher des Kulturstaatsministers. Wie viele Künstler oder Architekten dazu aufgefordert werden sollen, könne er noch nicht sagen: "Das genaue Prozedere wird in diesen Tagen festgelegt."

Der Wettbewerb für das Einheits- und Freiheitsdenkmal war am Dienstag abgebrochen worden, weil die Jury keine der 532 eingereichten Arbeiten bescheinigen wollte, den "hohen Anforderungen an dieses einzigartige Denkmal" erfüllt zu haben. Jury-Mitglieder wie der ehemalige Kultursenator Christoph Stölzl zeigten sich gestern zuversichtlich, dass mit einem Einladungswettbewerb renommierte Künstler und Büros gefunden werden könnten, die in der Regel die offenen Wettbewerbe eher scheuten.

Viele scheiterten an der Thematik

Davon geht auch Kulturstaatssekretär André Schmitz aus, der daran erinnerte, dass auch beim Holocaust-Mahnmal erst im zweiten Anlauf der überzeugende Entwurf des amerikanischen Architekten Peter Eisenman präsentiert werden konnte. Problematisch aus seiner Sicht, so Schmitz, sei vielmehr die "schwierige Aufgabenstellung".

So hatte der Bundestag beschlossen, dass das Denkmal die Freiheits- und Einheitsbestrebungen des deutschen Volkes von 1848 bis 1989 darstellen sollte. "Ich wage keine Vorhersage, ob das gelingen kann", so Schmitz. Von den bislang gesichteten Arbeiten habe sich nur ein Bruchteil dieser Gesamtthematik gestellt; die weitaus meisten Entwürfe hätten sich auf das Jahr 1989 beschränkt. Nur fünf bis sechs der eingereichten Entwürfe, so Schmitz weiter, hätten bei der Mehrheit der Jury Anklang gefunden - zu wenige, um in die zweite Phase des Wettbewerbs zu starten, bei der nach den bisherigen Planungen die 20 besten Entwürfe ausgewählt werden sollten. Schmitz: "Wir werden diese Handvoll Teilnehmer aber anschreiben und zur weiteren Mitarbeit einladen."

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) plädiert indes dafür, sich durch den 20. Jahrestag nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen. "Dies ist ein außerordentliches Denkmal, jedenfalls der Idee nach, und da kann man sich nicht mit durchschnittlichen Vorstellungen zufrieden geben", sagte er auf radioeins. "Wir sollten uns nicht unter Tempodruck setzen lassen."

Die Deutsche Gesellschaft e. V., die sich maßgeblich für ein "demokratisches Verfahren" eingesetzt hatte, ist "vom Abbruch des Wettbewerbs nicht entmutigt", so Jürgen Engert, einer der Vorsitzenden des Vereins. "Ich habe der Jury nicht angehört und kann über die Qualität der Arbeiten nur spekulieren", sagte Engert. Er stehe dazu, dass bei einem so wichtigen Denkmal grundsätzlich jeder zur Wettbewerbsteilnahme berechtigt sein müsse.

Teilnehmer enttäuscht

Massive Kritik hat der Abbruch des Verfahrens dagegen bei Wettbewerbsteilnehmern hervorgerufen. So nennt eine Landschaftsarchitektin mit eigenem Büro in Berlin, die sich beteiligt hatte, den Abbruch "einen undemokratischen Akt und damit eine Frechheit". Die Entscheidung stehe in diametralem Gegensatz zum geforderten Thema Demokratie und Freiheit, mit dem sich der Wettbewerb beschäftigten sollte. "Wenn jetzt, wie es heißt, renommierte und erfahrene Künstler zu einem neuen Wettbewerb eingeladen werden, wird damit ein elitäres Verfahren angeschoben, das der Idee des Einheits- und Freiheitsdenkmals widerspricht", so die Landschaftsarchitektin, die bereits an mehr als 100 Wettbewerben teilgenommen hat und aus etlichen als Preisträgerin hervorging. Das sei auch ein Schlag ins Gesicht aller 532 Teilnehmer, die Zeit und Arbeit investiert hätten.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen und Stadtplanerin, Franziska Eichstädt-Bohlig, kritisierte, dass jetzt der Eindruck entstehe, der Abbruch des Verfahrens liege ausschließlich an den unzulänglichen Entwürfen, die eingereicht wurden. Das Scheitern sei eher in der ungenauen Auslobung und Standortwahl zu suchen. "Im Vorfeld wurde nicht geklärt, woran genau erinnert werden soll."