Burkard Dregger

Der Christdemokrat mit dem berühmten Vater

Nein. In die Politik wollte er lange Zeit nicht. Wegen seines Vaters. "Es hätte doch immer nur geheißen, der ist ein Grünschnabel, der nachredet, was der Vater gesagt hat", sagt Burkard Dregger. Sein Vater, das war Alfred Dregger.

Der Alfred Dregger, der jahrzehntelang den konservativen Flügel in der CDU vertrat. Der Politiker mit dem strengen Seitenscheitel, der von 1982-1991 die Unionsfraktion als Vorsitzender führte und damit maßgeblich die politischen Geschicke der alten Bundesrepublik bis zur Wiedervereinigung mitgestaltete. Jetzt, 20 Jahre nach dem Mauerfall und sieben Jahre nach dem Tod des Vaters, wagt sein Sohn Burkard nun erstmals den Schritt in die aktive Politik. Seit Ende März sitzt der 44 Jahre alte Rechtsanwalt aus Zehlendorf im neuen Landesvorstand der Berliner CDU, der sich am Wochenende zu einer Klausur nach Bautzen zurückzieht.

Auf dem vergangenen Landesparteitag fand Dregger bei seiner Vorstellung für die Delegierten klare Worte: "Eines muss wieder klar werden: Es muss erkennbar sein, was nur wir sind, was nur wir immer waren, was uns in der politischen Landschaft einzigartig und unverwechselbar macht", sagte Dregger. "Wir müssen zeigen, dass wir für die Werte stehen, die unser Land ausmachen, die freiheitlich demokratische Grundordnung, die soziale Marktwirtschaft, das christliche Menschenbild, der Respekt vor anderen Kulturen, die Liebe zu unserer Stadt und zu unserem Land und seiner Kultur, die wir bewahren wollen." Das alles zeige "im besten Sinne", dass die CDU eben gerade auch wertkonservativ sei.

87-Prozent-Zustimmung

Die in weiten Teilen konservative Berliner CDU nahm Dreggers Vorlage auf und zeigte ihm mit einem Ergebnis von 87 Prozent, dass sie mehr von diesem politischen Einschlag will. Einige Zeit nach dem Parteitag zeigt die kurze Rede immer noch Wirkung. Bei einem Treffen im Café Einstein an der Kurfürstenstraße, in deren Nähe Dregger seine Anwaltskanzlei hat, erzählt er, dass ihn viele Parteifreunde nach dem Parteitag angesprochen und ihn eingeladen hätten, einen Vortrag zu halten. "Ich bin ein Wertkonservativer und sehe als wichtigste Aufgabe, dass in der Gesellschaft wieder Werte vermittelt werden", sagt Dregger. Dazu zähle er auch Werte wir Bescheidenheit, spielt er auf die Finanzkrise und die Diskussion um Boni für Banker an. Dregger zieht einen Vergleich: "Wenn die Verkommenheit und der Materialismus überhand nehmen - wie im alten Rom - dann gehen ganze Gesellschaften unter." In Trümmern lag auch die Berliner Union nach dem Machtkampf zwischen dem damaligen Fraktionschef Friedbert Pflüger und dem Ex-Landesvorsitzenden Ingo Schmitt vor einem Dreivierteljahr. Unter dem neuen Landesvorsitzenden Frank Henkel soll nun wieder aufgebaut werden - und Dregger will mit anpacken. Aber eines betont er dabei: "Ich lege Wert darauf, dass ich keine Ansprüche auf eine politische Karriere habe, sondern, dass die CDU auf mich zugekommen ist." Konkret war es die Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Landesvorsitzende Monika Grütters, die Dregger auf einer Weihnachtsfeier im Tipi, dem Veranstaltungszelt nahe dem Kanzleramt, ansprach, ob er beim Neuanfang in der Berliner CDU nicht mitmachen wolle.

"Ich wollte die Einheit erleben"

Seine private Entscheidung für Berlin traf Dregger Mitte der 90er-Jahre. Damals lag dem jungen Rechtsanwalt nach seinem Studium in Freiburg, Genf, London und Münster und einer juristischen Ausbildung in Dallas (USA) ein Angebot einer renommierten Anwaltskanzlei in Franfurt/Main vor. "Aber ich wollte nach Berlin, in diese geschichtliche Stadt. Ich wollte die Einheit selbst erleben", sagt Dregger. 1995 baute er seine eigene Kanzlei auf. Obwohl er seit seinem Studium in der CDU war, beschränkte sich Dreggers politische Arbeit auf sein Engagement in der Ideenschmiede der "Initiative Hauptstadt Berlin". Dort diskutierte er unter anderem mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der seinen Vater Alfred Dregger als Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU im Bundestag beerbt hatte.

"Das Verhältnis zu meinem Vater war super", erzählt Dregger junior. Bei langen Wanderungen in Südtirol und in der Rhön tauschten sich Vater und Sohn über die Gesellschaft, die Politik und den tieferen Kern des Daseins aus. Für Burkard Dregger, den bekennenden Katholiken und Vater dreier Kinder, waren diese Gespräche mit dem Vater tief bewegend. Er habe seinen Vater für seine geschichtlichen und gesellschaftlichen Kenntnisse bewundert. "Das war keine schlechte Schule", sagt Burkard Dregger heute. Es war dann auch der Sohn, der als Rechtsanwalt den Vater begleitete, als Alfred Dregger im Mai 2000 wegen der Parteispendenaffäre im Bundestag aussagen sollte.

Und übernommen hat er von seinem Vater Alfred offenbar auch viele Ansichten. "Klare Kante" müsse die Union wieder zeigen, um bei den Stammwählern zu punkten, so Burkard Dregger. Und dann gibt er ein Beispiel für das, was er meint. Die Integrationspolitik sei eine der entscheidenden Aufgaben der Politik der nächsten Jahre. "Wir müssen den Migranten sagen, dass sie bei uns willkommen sind. Dabei müssen wir aber unsere Kultur durch Integration sichern und erhalten."