Verkehr

BVG startet Sicherheitskampagne

In Berlin haben sich im vorigen Jahr 687 Verkehrsunfälle ereignet, an denen Straßenbahnen beteiligt waren. Damit ist zwar die Zahl der Tram-Unfälle um 24 oder 3,4 Prozent gegenüber 2007 leicht gesunken, zugleich gab es aber mehr Todesopfer.

Nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben sieben Menschen, alles Fußgänger, bei Tram-Unfällen nicht überlebt, 2007 hatte es dabei nur vier Tote gegeben.

Angesichts von täglich 5000 Fahrten und 170 Millionen beförderten Fahrgästen pro Jahr sei die Straßenbahn ein sehr sicheres Verkehrsmittel, sagt BVG-Straßenbahnchef Klaus-Dietrich Matschke. "Jeder Toter, jeder Verletzter ist für uns aber einer zu viel", betont er aber zugleich. Mit einer Sicherheitsinitiative will die BVG die Berliner dazu bewegen, dem Verkehrsmittel Straßenbahn aufmerksamer zu begegnen. Den Auftakt zur Kampagne "Achte auf deine Linie" gibt sie morgen mit einem Aktionstag von 10 bis 18 Uhr auf dem Alexanderplatz. Gemeint ist mit dem Motto, dass jeder Verkehrsteilnehmer die Besonderheiten eines auf Schienen fahrenden Fahrzeugs berücksichtigen sollte.

So demonstrierte etwa gestern ein gemeinsam von ADAC und BVG organisierter Bremstest: Eine 20 Tonnen schwere Straßenbahn benötigt selbst bei einer Vollbremsung einen mindestens doppelt so langen Bremsweg wie ein Pkw. "Das muss jeder Autofahrer wissen, der mal kurz vor einer Straßenbahn stoppen will", sagt Matschke. Laut BVG waren in der Mehrzahl andere Verkehrsteilnehmer schuld an den Unfällen mit Straßenbahnen. Nur in fünf Prozent der Fälle seien Tram-Fahrer dafür verantwortlich gewesen.

Die 687 Unfälle im Vorjahr hatten nach BVG-Angaben insgesamt 137 leicht verletzte (2007: 155), 18 schwer verletzte (2007: 16) und sieben tödlich verletzte (2007: 4) Personen zur Folge. Bei den Unfallursachen steht das Nichtbeachten des seitlichen Abstands zur Straßenbahn mit einem Anteil von 21 Prozent ganz oben, gefolgt von Spurwechseln (19 Prozent) und dem Nichtbeachten der Vorfahrt (11 Prozent). An den Unfällen waren 291 Pkw-Fahrer, 160 Fahrgäste, 103 Lkw-Fahrer und 46 Fußgänger und 26 Fahrradfahrer beteiligt.

"Unsere Erfahrung ist, dass nicht etwa Touristen Probleme mit der Straßenbahn haben, sondern in erster Linie die Berliner, die mit der Straßenbahn eigentlich aufgewachsen sind", sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Nicht wenige seien unaufmerksam beim Überqueren der Gleise oder unachtsam im Haltstellenbereich. Doch auch die BVG will mehr für die Tram-Sicherheit tun. Im Mittelpunkt steht dabei die Weiterbildung der Fahrer, die zum Beispiel einmal jährlich ein Training im Fahrsimulator der BVG in Lichtenberg absolvieren. Seit dessen Inbetriebnahme Ende 1998 hätten sich die durch Fahrer verursachten Unfälle um ein Viertel verringert, heißt es.

Matschke kündigte an, dass weitere sogenannte Z-Übergänge zum Passieren von Gleisen gebaut werden sollen. Die Gitter-Anordnung sorge dafür, dass ein Fußgänger stets in Richtung der heranfahrenden Straßenbahn schauen muss. Auch soll bei Fahrzeugen des Typs GT6N vor der jeweils nächsten Hauptuntersuchung ein sogenanntes Spitzenlicht zur besseren Erkennbarkeit nachgerüstet werden. Dieser dritte Scheinwerfer an der Front ist für Neufahrzeuge gesetzlich vorgeschrieben. Eine Absage erteilte Matschke indes Vorschlägen, nach denen die Bahnen lauter oder mit Blitzlichtern unterwegs sein sollen. "Unsere Züge können eigentlich nicht übersehen werden", so der Straßenbahn-Chef.