Verein für Integrative Sozialarbeit

Hilfe für Kinder und Jugendliche in 17 Sprachen

Vor wenigen Wochen fiel in der Kriminalitätsstatistik des Landes Berlin eine Zahl besonders auf: 2009 sank die Jugendkriminalität um acht Prozent.

Ein beachtlicher Erfolg, der nicht zuletzt den knapp 3700 Vereinen in der Stadt zu verdanken sein dürfte, die sich um soziale Belange kümmern. Viele haben speziell die Probleme von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Blick, so wie Integra. Der Verein für Integrative Sozialarbeit wurde 2005 von dem türkischstämmigen Sozialpädagogen Kazim Yildirim gegründet.

"Wir haben einfach gemerkt, dass für bildungsferne Familien mit Migrationshintergrund die übliche Betreuung nicht funktioniert", schildert Yildirim die Entstehungsgeschichte von Integra. Die meisten der 30 Mitglieder des Vereins arbeiteten gemeinsam mit dem Gründer schon jahrelang als Familienberater in dem von den Jugendämtern angebotenen Programm "Hilfe zur Erziehung". Es sind Pädagogen, Therapeuten, Lehrer. Das Besondere: Beinahe alle haben selbst einen Migrationshintergrund, das Integra-Team spricht 17 verschiedene Sprachen, unter anderem Arabisch, Türkisch, Polnisch, Vietnamesisch und Rumänisch. So kann der Verein Familien und Kinder betreuen, die mit Kita, Schule oder Jobcenter sonst nie in Kontakt treten würden.

Neben den 50 Familien, die Integra innerhalb von "Hilfe zur Erziehung" betreut, hat der Verein seit November eine Zweigstelle in der Okerstraße im Norden Neuköllns. Dort betreuen die sieben Integra-Mitarbeiter vor allem rumänische Roma-Familien, die ohne Arbeit sind und in überfüllten Wohnungen zu Wucherpreisen wohnen. Integra macht täglich mit den Kindern Hausaufgaben, gibt ihnen Platz zum Spielen. Für die mittellosen Jugendlichen im Kiez gibt es am Freitag ein Mitternachtsboxen. Mit den Eltern werden Behördengänge erledigt. Demnächst soll mit der VHS-Neukölln ein Deutschkursus für rumänisch-stämmige Mütter angeboten werden.

Ein Projekt, das Kazim Yildirim besonders am Herzen liegt, ist die interkulturelle Behindertenhilfe des Vereins. Einmal wöchentlich beraten ein Musiktherapeut und zwei Pädagogen 20 türkischstämmige Mütter mit behinderten Kindern. Integra versucht Wege aufzuzeigen, wie die Familien mit der Behinderung umgehen können. "Viele Mütter schämen sich, mit einem behinderten Kind auf die Straße zu gehen. Wir wollen dieses Schamgefühl durchbrechen", sagt Yildirim. Um ihre Behindertenhilfe auszubauen, ist Integra derzeit auf der Suche nach Spendengeld. www.integraev.de