Senat

Kampf um Kurfürstenbrücke verloren

Der Kampf um eine historische Rekonstruktion der alten Kurfürstenbrücke anstelle der provisorischen Rathausbrücke aus DDR-Zeiten am Humboldt-Forum ist offenbar verloren.

Wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gestern mitteilte, beginnen heute die Vorarbeiten zum Abriss der Behelfsbrücke aus den 1950er-Jahren zwischen dem Schloss-Areal und dem Nikolaiviertel. Bereits im Mai soll dann mit dem Abbruch des massiven Mittelpfeilers begonnen werden - des letzten Überbleibsels der prächtigen Kurfürstenbrücke mit ihren drei Steinbögen und dem Reiterstandbild des Großen Kurfürsten.

Die Bürgervereine Berliner Historische Mitte e.V., die AG Rathausbrücke sowie die Gesellschaft Historisches Berlin (GHB) auf die Abrissankündigung reagieren mit "blankem Entsetzen" auf die Nachricht. "Jetzt wird hier ein schlichter Zweckbau für zehn Millionen Euro hingesetzt und damit die einmalige Chance vergeben, eine städtebauliche Einheit von Schloss, Marstall Brücke herzustellen", so Bernd Wendland von der GHB.

"Wir Bürgervereine appellieren an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, den stümperhaften Planungen der Stadtentwicklungsverwaltung zu stoppen", so Wendland.

Ein Einlenken der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) ist indes nicht zu erwarten. Die Senatorin hatte immer wieder betont, das Bauvorhaben jetzt noch zu stoppen, berge das Risiko möglicher Klagen von Baufirmen, die sich an der Ausschreibung zum Bau der neuen Brücke beteiligt hatten.

Auch der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses im Abgeordnetenhaus, Thomas Flierl (Linke) bedauert, "dass an der Rathausbrücke jetzt Tatsachen geschaffen werden und Alternativen nicht geprüft wurden". Die aktuelle Diskussion um die Gestaltung der historischen Mitte zeige, dass ein Gesamtkonzept erforderlich sei. "Und das gibt es noch immer nicht", kritisiert der Ausschussvorsitzende.