Schulsanierung

Krebserregende Stoffe: Eltern sorgen sich um ihre Kinder

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Eltern der Richard-Wagner-Grundschule in Karlshorst fürchten um die Gesundheit ihrer Kinder. Sie ist eine von 17 Plattenbau-Schulen im Bezirk Lichtenberg, die saniert werden.

Gefährliche Dämm-Matten in den Deckenkonstruktionen, die zum Brandschutz in den Fluren dienten, werden dabei entsorgt, hauptsächlich in den Ferien, aber auch bei laufendem Schulbetrieb. "Es ist eine Katastrophe, wie wenig Rücksicht bei der Sanierung auf die Gesundheit von Lehrern und Kindern genommen wird", kritisiert Burkhart List, Vater eines Schülers.

Als der Schulbetrieb nach Ostern wieder begann, habe im vierten Stock eine dicke Staubschicht gelegen. Dennoch sei die Etage als unbedenklich erklärt worden und zum Unterricht freigegeben gewesen. "Die Lehrer haben sich geweigert dort zu unterrichten, und ich habe Proben genommen, die ich zur Untersuchung in ein Hamburger Labor geschickt habe."

Das Analyseergebnis sei eindeutig: Neben lungengängigen Mineralfasern seien auch in erheblichem Umfang dickere und längere Fasern festgestellt worden, die zwar nicht die Lunge belasten, aber zu Reizungen an Schleimhäuten, Augen und Haut führen. Bei Altprodukten, die vor 1996 eingebaut wurden, sei davon auszugehen, dass es sich um krebserzeugendes Material handele, stellten die Chemiker fest. Die Schule wurde 1973 gebaut.

Der für die Immobilien zuständige Stadtrat, Andreas Prüfer (Linke), schickte gestern sofort Mitarbeiter zur Schule, um die Vorwürfe prüfen zu lassen. Mit der Sanierung sei eine Fachfirma betraut, die mit solchen Stoffen Erfahrungen habe. "Wir hätten uns gefreut, wenn sich der Vater direkt an uns gewendet hätte. Dann hätten wir den Fall schneller untersuchen können", sagte Prüfer.

Der Vater hatte sich nach eigener Aussage zunächst an den Schulleiter mit der Bitte um Hilfe gewendet. Doch der habe sich für das Baugeschehen nicht zuständig gefühlt. Das Analyseergebnis der Proben, das List dem Schulleiter gestern zur Verfügung stellte, leitete er an das Bezirksamt weiter.

Die Schilderung eines anderen Vaters, Andreas Geisel, der sich um seine Tochter keine Sorgen macht, weil die Flure mit Planen abgehängt seien und die Schüler in die Etagen, in denen gebaut werde, nicht hereinkämen, bezeichnete List als Verharmlosung und Bagatellisierung. Ein Untersuchungsergebnis der Vorwürfe kündigte Stadtrat Prüfer für heute an.

( bsm )