Stadtplanung

Verkauf von Tempelhof noch im Sommer

Der Kauf der Bundesanteile am Flughafen Tempelhof durch das Land Berlin soll noch vor der parlamentarischen Sommerpause über die Bühne gehen. Das jedenfalls sei das Ziel, sagte die Sprecherin von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), Kristina Tschenett. Auch beim Verhandlungspartner, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), hält man diesen Termin für realistisch. "Mitte Juni, das könnte man schaffen", sagte Bima-Chef Dirk Kühnau gestern.

Allerdings steht der Kaufpreis noch nicht fest. Wie berichtet hatte der Gutachterausschuss für Grundstückswerte des Landes Berlin im Dezember den Verkehrswert der bundeseigenen Anteile am Flughafen mit 40 Millionen Euro beziffert und ein entsprechendes Gutachten als Verhandlungsgrundlage vorgelegt. Mögliche Altlasten auf dem Flughafengelände, die kaufpreismindernd wirken könnten, wurden nicht berücksichtigt.

Hier gibt es Kühnau zufolge nun noch Klärungsbedarf. Während Berlin hofft, den Kaufpreis aufgrund möglicher Altlasten drücken zu können, ist der Bund nicht bereit für Altlasten aufzukommen. Allerdings heißt es bereits aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, dass nicht viel an Munition und Altlasten auf dem Flughafenfeld zu erwarten ist. Eine bereits begonnene Magnetsondierung durch die auf Altlastenbewertung spezialisierte Firma Döring habe bislang keine Funde hervorgebracht, sagte der Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Marko Rosteck. Weit über 50 Prozent der Fläche sei bereits im Auftrag des Senats abgesucht worden. "Die routinemäßige Überprüfung vor dem Kauf durch das Land" werde noch zwei bis drei Wochen andauern, so Rosteck. Vonseiten der Bima hieß es dagegen, dass man die Firma Döring bislang nicht auf die Bundesflächen des Flughafen gelassen habe. "Nur untersuchen und dann mit der Rechnung kommen, das zahlen wir nicht", sagte Kühnau dieser Zeitung.

Abstriche beim ermittelten Verkehrswert wird es nach Angaben Kühnaus voraussichtlich bei der Bewertung des Gebäudes geben. Denn der Gutachterausschuss habe bei der Verkehrswertermittlung nicht berücksichtigt, dass 17 Prozent des Gebäudes Berlin bereits gehören. Dem Bund gehören 53 Prozent der Freifläche und 83 Prozent des Flughafengebäudes, dem Land Berlin der jeweilige Rest.

Wie berichtet, hatte der Bund im Zuge der Verhandlungen über die Hauptstadtfinanzierung im November 2007 zur Bedingung gemacht, das Berlin den Flughafen in Gänze übernimmt. Denn Berlin hatte sich geweigert, den Flugbetrieb in Tempelhof bis 2011 weiterzuführen und damit nach Ansicht des Bundes die Vermarktungschancen geschmälert. Über ein Gutachten sollte deswegen der Verkehrswert ermittelt werden.

Indes bietet die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) jetzt regelmäßig Führungen durch das Flughafengebäude an. Von Montag bis Donnerstag jeweils um 16 Uhr, freitags um 13 und 16 Uhr sowie sonnabends und sonntags um 11 und 14 Uhr geht es unter kundiger Führung zweieinhalb Stunden durch das gigantische Gebäude.

Die Führungen können neuerdings auch im Internet unter www.bim-berlin.de gebucht werden. Sie kosten 12 Euro für Erwachsene, 8 Euro für Studenten und 6 Euro für Kinder. Überdies bietet die BIM auf Nachfrage für Fachpublikum eine neue Führung zur Zukunft des Flughafengeländes an. Dauer: anderthalb Stunden. Kosten: 15 Euro. Diese Führungen könnten bei der BIM unter Tel. 901 66 15 00 gebucht werden.