Verkehr

Engere Sitze in den Regionalzügen

In der seit Monaten geführten Kontroverse über die Ausschreibung von Regionalzugverkehr in Berlin und Brandenburg hat die Deutsche Bahn AG (DB) vor Qualitätseinbußen für die Fahrgäste gewarnt.

Speziell der Sitzplatzkomfort werde sich im Vergleich zu heute spürbar verschlechtern, sagt Ulrich Homburg, Vorstandsvorsitzender von DB Regio. Der Grund seien Vorgaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), der den Betrieb von 16 Regionalverkehrsstrecken, darunter die stark frequentierten Regionalexpresslinien RE 1 (Magdeburg-Berlin-Frankfurt (O.) und RE 2 (Rathenow-Berlin-Cottbus), für die Zeit ab Ende 2011 europaweit ausgeschrieben hat.

Stein des Anstoßes sind die Maße für die Sitzplätze. Diese müssen mindestens 42 Zentimeter breit und 38 Zentimeter tief sein. Aktuell sind die Plätze in DB-Regionalexpresszügen drei Zentimeter breiter und vier Zentimeter tiefer. "Sind die Sitze kürzer und schmaler, können insgesamt mehr Plätze im Waggon geschaffen werden. Das wird vom VBB extra honoriert, ist also so gewollt", sagt DB-Regionalbereichsleiter Peter Buchner. In einem Doppelstockwagen mit derzeit 125 Plätzen könnten so zehn Sitze mehr eingebaut werden. Würde die Bahn auf einen Umbau verzichten, hätte sie einen wirtschaftlichen Nachteil gegenüber ihren Mitbewerbern, argumentiert Buchner. Selbst Wagen, die noch die großzügige Sitzplatzgestaltung aufweisen, müssten umgerüstet werden, da der VBB für die Vertragslaufzeit ab 2011 sowie 2012 eine Inneneinrichtung fordert, die nicht älter als zehn Jahre sei. Die meisten in der Region eingesetzten Doppelstockwagen seien zwischen 1997 und 2003 in Dienst gestellt worden.

"Die neuen Sitze sind eine Zumutung für die Reisende, die in einem Regionalexpress zwei Stunden und länger unterwegs sind", sagt Hartmut Buyken, Vize-Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Es sei unverständlich, warum der Verkehrsverbund eine Platzgestaltung infrage stellt, die sich bundesweit bewährt habe. "Das ist schon sehr, sehr eng", meint auch Florian Müller vom Berliner Fahrgastverband Igeb. Die neuen Sitze würden dem Standard entsprechen, der schon jetzt in Zügen der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) auf Nebenstrecken angeboten werde.

Der Verkehrsverbund weist die Kritik der Deutschen Bahn als "haltlos" zurück. VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz ist überzeugt: "Einen Komfortverlust für die Fahrgäste wird es nicht geben." Für die Gewinner der Ausschreibung gebe es große Anreize, sich um zufriedene Fahrgäste zu bemühen. Wer an der Qualität der Sitzplätze spart, werde dauerhaft Fahrgäste verlieren und dadurch finanzielle Einbußen davontragen.