Interview

Der Döner hat jetzt seine eigene Messe

Der Verein türkischer Dönerhersteller in Europa (ATDID) lädt heute zur Kontaktmesse Döner-Gastronomie (DÖGA). Mit ATDID-Sprecher Coskun Tuna sprach Anne Klesse.

Berliner Morgenpost: Herr Tuna, heute findet in Berlin die weltweit erste Döner-Messe statt. Wozu?

Coskun Tuna: Bislang sind die mehr als 200 Dönerproduzenten in Deutschland nicht geschlossen aufgetreten. Der ATDID macht mit der DÖGA einen ersten Schritt in diese Richtung. Wir wollen mehr Transparenz und mehr Austausch, gerade bei den Zuliefererbetrieben. Im nächsten Jahr wollen wir die Messe vielleicht auf zwei Tage verlängern, mit Vorträgen, Produktvorstellungen usw.

Berliner Morgenpost: Die Deutschen geben jedes Jahr rund 2,5 Milliarden Euro für Döner aus. In Berlin soll der Kebab (Türkisch: "sich drehendes Grillfleisch") in den 70er-Jahren erfunden worden sein. Was bedeutet der Döner für Berlin?

Coskun Tuna: Der Döner hat die Fast-Food-Kultur der Stadt geprägt. Neben dem Döner ist natürlich auch die Currywurst gefragt. In der Türkei gab es Döner Kebab übrigens schon, bevor man ihn in Deutschland kaufen konnte, dort wird er jedoch ohne Salat und Soße serviert. Letztendlich ist der Döner, wie man ihn in Berlin bekommt, also ein Gemeinschaftsprodukt von Türken und Deutschen.

Berliner Morgenpost: In Berlin bekommt man einen Döner hier und da schon für 1,50 Euro, in anderen Städten zahlt man für ihn locker das Dreifache. Wie sind solche großen Preisunterschiede zu erklären?

Coskun Tuna: Hier in Berlin bieten so viele Gastronomiebetriebe Döner an. In manchen Straßen gibt es mehrere Dönerbuden, das ist im Westen Deutschlands nicht so extrem. Je höher der Wettbewerb, desto niedriger der Preis.

Berliner Morgenpost: Es ist also keine Frage der Qualität?

Coskun Tuna: Nein.

Berliner Morgenpost: Inwiefern haben die Gammelfleischskandale die Branche verändert?

Coskun Tuna: Es gibt große Bestrebungen des Vereins ATDID, ein Qualitätssiegel ins Leben zu rufen. Zuerst sollen unsere 40 Mitgliedsbetriebe kontrolliert werden und das Zertifikat bekommen. Dann wollen wir Zulieferer, andere Hersteller, Gastronomiebetriebe und Imbissbuden, die nicht bei uns Mitglied sind, prüfen. Mit dem Zertifikat wollen wir für mehr Hygiene, Verlässlichkeit und Transparenz sorgen. Und für Vertrauen in Qualität und Sicherheit. Denn solche Gammelfleischskandale treffen die gesamte Branche und bringen sie in Verruf. Trotz Zertifikat müssen die Betriebe natürlich trotzdem regelmäßig kontrolliert und geprüft werden. Da sieht sich der Verein in der Pflicht.

Berliner Morgenpost: Zu wann ist das geplant?

Coskun Tuna: Wir sind noch in der Vorbereitung, wollen es aber noch in diesem Jahr ausgeben.

DÖGA: 10 bis 18 Uhr im Ernst-Reuter-Haus, Straße des 17. Juni. Eintritt frei.