Gewalt

Zehn Autos nach Brandanschlägen in Flammen

Unbekannte Täter haben in der Nacht zu Sonnabend erneut in mehreren Stadtteilen Brandanschläge auf Autos verübt. Dabei sind an vier Tatorten in Kreuzberg, Treptow und Mitte insgesamt zehn Fahrzeuge zerstört oder beschädigt worden.

Falls die Ermittlungen des Staatsschutzes in allen vier neuen Fällen einen politischen Tathintergrund feststellen, hätte sich die Zahl dieser Brandanschläge damit auf 40 in diesem Jahr erhöht (siehe Grafik). Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2008 hatte die Berliner Polizei 68 derartige Delikte festgestellt. Bei den 40 Anschlägen seit Januar sind 57 Pkw, Motorräder und Transporter direkt mit Brandsätzen angegriffen worden. Die Anzahl der in unmittelbarer Nähe geparkten Fahrzeuge, die dabei beschädigt wurden, ist nunmehr auf 23 angestiegen.

Sorge um den 1. Mai

Der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, sagte der "B.Z. am Sonntag", der Linksextremismus sei in letzter Zeit gefährlicher geworden. Daher bereite der 1. Mai große Sorge. In Sicherheitskreisen wird befürchtet, dass es besonders bei der geplanten Kundgebung der rechtsextremen NPD in Köpenick und linken Gegendemonstrationen zu Krawallen zwischen Demonstranten und Polizei kommt.

Begonnen hatte die jüngste Anschlagsserie kurz nach Mitternacht am Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg. Nach Polizeiangaben hatte ein Anwohner gegen 0.15 Uhr Flammen an einem Landrover Freelander bemerkt und den Brand mit einer Decke selbst erstickt. Der Geländewagen wurde leicht beschädigt. Danach musste die Feuerwehr zwei Mal in Plänterwald (Treptow-Köpenick) ausrücken. Gegen 2 Uhr hatten die Brandstifter einen Mercedes SLK angezündet. Anwohner hatten einen lauten Knall gehört und angesichts der brennenden Luxuskarosse die Feuerwehr gerufen. Die Einsatzkräfte waren kaum abgerückt, als gegen 3.30 Uhr in der Straße Am Treptower Park - in Höhe der Karpfenteichstraße - ein Mercedes-Transporter in Flammen stand. Das zum Wohnmobil umgebaute Fahrzeug brannte völlig nieder, die große Hitzeentwicklung führte dazu, dass gleich fünf in der Nähe geparkte Autos zum Teil erheblich beschädigt wurden.

Schließlich entdeckte eine Passantin am Morgen gegen 5.25 Uhr in der Zolastraße in Mitte Autos in Flammen. Unbekannte hatten dort einen Audi S8 in Brand gesetzt. Die Flammen waren auf einen Volvo übergesprungen, der ebenfalls komplett zerstört wurde. In allen Fällen hat der Staatsschutz - wie seit März grundsätzlich - die Ermittlungen aufgenommen. Erst in der Nacht zu Freitag hatten in Treptow ein Mercedes und in Friedrichshain ein Audi gebrannt.

Nicht hinter jedem brennenden Fahrzeug stecken Anschläge linksextremistische Täter. So gehen Fahrzeuge auch bei Versicherungsbetrügereien oder zur Verdeckung anderer Straftaten, wie etwa nach Einbrüchen, in Flammen auf. Hinzu kommen Brände, deren Motiv eher im Bereich persönlicher Racheakte zu suchen ist. So bleibt etwa bei dem brennenden Wohnmobil zunächst fraglich, ob eine politisch motivierte Tat vorliegt. Zumal es sich weder um eine Nobelkarosse noch um ein Fahrzeug eines großen Wirtschaftsunternehmens handelte, die dem sonstigen Anschlagsschema der Brandstifter entsprechen. Derart strittige Fälle führen nicht zuletzt zu differierenden statistischen Angaben zwischen Polizei und Medien. Nach Morgenpost-Informationen sind statt 40 bereits 44 vorsätzliche Anschläge auf Fahrzeuge zu verzeichnen, bei denen 85 beschädigt wurden. Die rege Aktivität der im politisch linksextremen Lager vermuteten Brandstifter lasse "nicht unbedingt Rückschlüsse auf den 1. Mai" zu, sagte am Sonnabend ein Ermittler. Es gebe immer wieder Wellenbewegungen. Nach Karfreitag gab es sechs Nächte keine Anschläge. Stattdessen gab es um die Ostertage eine Brandstiftung im Wohnbauprojekt "Palais Kolle Belle", sowie Stein- und Farb-Attacken auf Firmen wie SAP und Kaiser's oder die Gewerkschaft Ver.di, so der Polizeibeamte.

Unterm Strich bleibt eine hohe Frequenz von Brandattacken auf Autos in jüngster Zeit.

Polizeipräsident Dieter Glietsch reagierte darauf vor zwei Wochen mit der Auslobung einer Belohnung von bis zu 10 000 Euro für Hinweise, die zur Ergreifung eines Täters führen. Glietsch nannte die Brandstifter "rücksichtslose Kriminelle, die nicht nur das Eigentum von Durchschnittsverdienern gefährden, sondern auch das Leben unschuldiger Menschen".

Hinweise, die vertraulich behandelt werden, nimmt der polizeiliche Staatsschutz unter Tel. 46 64-90 90 40 entgegen.