Baupläne für Hotelprojekt

Zu wenig Grün am Adenauerplatz

Das Hotelprojekt am Adenauerplatz, das vor zweieinhalb Jahren für Schlagzeilen sorgte, weil die geschockten Mieter vom geplanten Hausabriss aus der Berliner Morgenpost erfuhren, ist weiterhin umstritten. Die Investoren, die an der Wilmersdorfer Ecke Lewishamstraße für die Accor-Hotelgruppe ein Ibis (zwei Sterne) und Etap (ein Stern) errichten wollen, haben das vorhandene Wohn- und Geschäftshaus mittlerweile zwar erworben und sich mit den meisten der 40 Mietparteien geeinigt.

Ihre Baupläne stoßen im Bauamt dennoch auf Bedenken. Die Hauptkritik richtet sich gegen die Baumasse, die nach Aussage des Stadtplanungsleiters Rainer Latour "deutlich über den Obergrenzen" liegt. Im Bauausschuss wurde außerdem bemängelt, dass Architekt Sergei Tchoban zu wenig Grün auf dem Grundstück vorgesehen habe.

Die Wiwela Bau Projekt GmbH, die das Vorhaben mit 400 Hotelzimmern in dieser prominenten Lage der City West verwirklichen will, sieht das anders. Zugelassen sei eine Bebauung des Grundstücks von 0,80 Prozent. Ihr Konzept sehe 0,88 Prozent vor, was eine Überschreitung von "nur" 0,08 Prozent bedeute, sagte Rechtsanwalt Clemens Lammek, der die Investoren berät und bei den baurechtlichen Fragen vertritt.

Die neuen Eigentümer, zu denen die Unternehmerfamilie Wendeln gehört, wollen 50 Millionen Euro investieren. "Die Finanzierung ist gesichert, es entstehen rund 80 Arbeitsplätze", berichtete Lammek. Die Mietverträge sind bereits unter Dach und Fach: 80 Prozent der künftigen Fläche sind an die Accor-Hotelgruppe und an Edeka vermietet. Dass der Nahversorger bleibt, war ein Wunsch der Politik.

Im Bezirk ist man sich zwar grundsätzlich einig darüber, dass das Projekt das Areal am Adenauerplatz städtebaulich aufwertet. Aber über etliche Detailfragen herrscht bei den Parteien noch Uneinigkeit. So pocht die CDU darauf, dass der Bauherr auf dem Areal einen Wohnanteil schaffen muss. Grüne und SPD hingegen wären auch damit einverstanden, wenn 800 Quadratmeter Wohnen im Umfeld entstehen würden. Grund: Der Investor sieht auf dem nur 2900 Quadratmeter großen Grundstück keine Möglichkeit, Wohnraum zu schaffen, wenn er die Mindestanforderungen für die zwei Hotels und den Edeka-Laden umsetzen will.

Der Kauf des Gebäudes Sybelstraße 56 sollte helfen, das Dilemma zu lösen. Doch nach mehr als einjähriger Verhandlung scheiterte der Ankauf. Einer der 21 Eigentümer wollte nicht verkaufen - trotz des mit 3000 Euro pro Quadratmeter doppelten Verkehrspreises. Verhandlungen mit dem Besitzer des Nachbarhauses Wilmersdorfer Straße 81 könnten für die Wohnforderung einen Kompromiss bringen: Mit sechs Penthousewohnungen würden durch einen Dachausbau fast 700 Quadratmeter Wohnraum geschaffen.

"Wir suchen nach Lösungen. Wobei wir nicht glauben, dass an der Wilmersdorfer Straße die Gefahr der Verödung der Innenstadt besteht. Und das ist ja der Grund, warum Kommunen berechtigterweise einen Wohnanteil fordern, um die Innenstädte zu beleben", sagte Lammek. Trotz der vollgewerblichen Nutzung des neuen Hotel- und Geschäftshauses werde der Adenauerplatz nicht tot sein. Im Gegenteil. Erstens seien überall in der Nachbarschaft Wohnhäuser. "Außerdem bringen wir Touristen, die die City West beleben."

Der Bezirk hätte sich jedoch gewünscht, dass durch den Ankauf der Sybelstraße 56 eine Schließung des ganzen Blocks erreicht worden wäre. Da der Ankauf scheiterte, ist dies nicht möglich. In Aussicht hat der Investor aber gestellt, den Sex-Shop auf seinem Grundstück - er hat noch bis 2014 einen Mietvertrag - mit einer Abfindung zum vorzeitigen Auszug zu bewegen.