Abschied

Volkmar Strauch gestorben

Er war stets freundlich, verbindlich, sachlich. Sprach mit leiser Stimme und kümmerte sich unermüdlich um die Belange der Berliner Unternehmen. Volkmar Strauch, ein zurückhaltender Mann, dem stets ein Lächeln um die Mundwinkel spielte, hat aber auch in der jüngeren politischen Geschichte Berlins eine entscheidende Funktion eingenommen.

Strauch war ein wichtiger Kitt, der die rot-rote Koalition in ihrer Frühphase verband. Und er trug wie kaum ein Zweiter dazu bei, im bürgerlichen Westen Berlins die Vorbehalte gegen eine Regierungsbeteiligung der damaligen PDS und heutigen Linken abzubauen. Wie erst gestern bekannt wurde, ist Volkmar Strauch am 9. April nach schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren verstorben.

Der Jurist war 2002 nach 14 Jahren als Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, wo er für Planung, Umwelt, Recht und Finanzen zuständig war, als Staatssekretär ins Wirtschaftsressort gewechselt. Verwaltungserfahrung brachte er mit, hatte er doch vor seiner IHK-Zeit 13 Jahre im Wirtschaftsressort gearbeitet. Aber vielen erschien der Wechsel unerhört, denn im Haus an der Martin-Luther-Straße war mit Gregor Gysi gerade die Galionsfigur der SED-Nachfolgepartei eingezogen. Mit seinen Drähten in die Berliner Wirtschaft war der Handelskammer-Mann, der in Niedersachsen aufgewachsen ist und in Marburg und Kiel studiert hat, ein wichtiges Bindeglied des Postkommunisten in eine ihm weitgehend unbekannte Gesellschaft. Und als Fachmann musste er den wirtschaftlich kaum beleckten Gysi in vielen Fragen unterstützen.

Aber Strauch kam nicht nur aus der IHK. Er kam außerdem aus einer anderen Partei. Denn seit 1971 besaß der am Neujahrstag 1943 in Halle an der Saale geborene Staatssekretär ein Parteibuch der SPD. Der Zugang eines Sozialdemokraten in ein zentrales PDS-Ressort war seinerzeit eine entscheidende vertrauensbildende Maßnahme Gysis gegenüber dem neuen Partner, von denen viele die Linken noch misstrauisch beäugten und den Tabu-Bruch einer Zusammenarbeit noch nicht verkraftet hatten.

SPD-Landeschef Michael Müller würdigte Strauch als einen "weit über die Parteigrenzen hinaus anerkannten und geschätzten Wirtschaftspolitiker, der über Jahrzehnte die Berliner Wirtschaftspolitik maßgeblich mitgestaltet hat". Wirtschaftssenator Harald Wolf hob Strauchs Verdienste bei der Etablierung der wirtschaftspolitischen Schwerpunkte wie der Gesundheitswirtschaft hervor.

Ende 2007 schied er aus Altersgründen aus dem Amt, die Linke wollte den Spitzenposten nun aus den eigenen Reihen besetzen. Strauch engagierte sich im Ruhestand für Denkmalschutz und für junge Künstler.