Gasometer

Neue Touristenattraktion in 80 Meter Höhe

Potsdamer Platz, Regierungsviertel, Gedächtniskirche, Olympiastadion und Fernsehturm sind nicht weit, aber auch nicht so exponierte Wahrzeichen wie Berlins Rathaustürme oder die Großsiedlungen liegen den Besuchern zu Füßen - jedenfalls bei schönem Wetter

: Berlin hat eine neue Adresse für ungewöhnliche Besichtigungen. Ab Karfreitag können sich Berliner und ihre Gäste die Stadt vom Schöneberger Gasometer aus anschauen. Schon der Aufstieg auf 80 Meter Höhe über eine Stahltreppe ist ein Erlebnis. Solides Schuhwerk und ein wenig Kondition sind allerdings Voraussetzung, um die 456 Stufen nach oben zu schaffen. Leicht zittrige Knie und Keuchen sind bei flotter Besteigung keine Ausnahme.

"Absolut spannendes Gefühl"

Die Erlebnis-Sightseeing GmbH, die die Führungen ab dem 10. April unter der Marke "climb Berlin" anbietet, will das 100 Jahre alte Industriedenkmal zu einer neuen Touristenattraktion entwickeln. Geschäftsführerin Nadine Zache kam auf die Idee, als sie mit dem Eigentümer des Areals, Reinhard Müller, das Denkmal bestieg. "Auf den Gitterrosten zu laufen, ist ein absolut spannendes Gefühl", schwärmt die gebürtige Potsdamerin.

Etwa in 20 Meter Höhe legen die Tour-Guides den ersten Stopp ein - für die Gäste eine kleine Pause, um zu verschnaufen, aber auch Gelegenheit, um ins Herzstück des Gasometers zu schauen. Gasometer-Führer Jochen Wiesenberg kennt nicht nur die prägnanten Bauwerke Berlins, sondern weiß auch, wo das Haus steht, in dem Marlene Dietrich unweit des Gasometers aufwuchs. Kritische Blicke ob des rostigen Stahls am Denkmal begegnet der Guide mit der Versicherung: "Rost ist wie Lack." Die Führung dauert eine gute Stunde. Ganz billig ist das Vergnügen nicht. 29,95 Euro kostet das Tour-Paket mit dem 360-Grad-Panorama-Blick - fast 200 Meter können oben bei der Besichtigung umrundet werden -, inklusive Basecap oder T-Shirt. Dafür seien die Gruppen aber auch klein, sagt Nadine Zache. Maximal neun Besucher dürfen mit dem Guide nach oben. Werktags gibt es um 17, 18.30 und 20 Uhr Führungen, an den Wochenenden sowie an Feiertagen außerdem um 14 und 15.30 Uhr. Kinder ab zwölf Jahren dürfen in Begleitung Erwachsener teilnehmen. Ermäßigung gibt es für Gruppen ab acht Leuten (vier Euro günstiger pro Person). Bestellt werden müssen die Tickets bis zum Vortag 18 Uhr. Karten gibt es in Vorverkaufsstellen, im Internet unter www.climb-berlin.com sowie telefonisch unter 01805/44 70 (14 Cent/Minute aus dem Festnetz, Mobilpreise können abweichen).

Die Pläne für das Europäische Energieforum (Euref), das in den nächsten Jahren mit Investitionen über 600 Millionen Euro auf dem Gasometer-Areal entstehen soll, schreiten voran. Ein großer Solarmodul-Hersteller will heute zusagen, passend zu jedem Bauabschnitt die Photovoltaik-Technik einzubauen und zu bewirtschaften. Außerdem hoffen die Euref-Eigentümer, dass sie durch die tiefste geothermische Bohrung Europas in 3500 Meter auf ihrem Gelände Erdenergie nutzen können. Die finanzielle Anlaufphase für die private Hochschule sei bis 2011 gesichert, sagte Euref-Sprecher Gerhard Hofmann. Genannt werden wollten die Geldgeber jedoch noch nicht. Mit dem Bau soll jedoch spätestens im Herbst begonnen werden. Auch für das Innere des Gasometers ist ein Konferenzzentrum vorgesehen. Wie lange die Aufstiegsmöglichkeit besteht, ist deshalb noch offen.