Sozialpolitik

Neue Räume für Fixerstube am "Kotti"

Die umstrittene neue Fixerstube am Kottbusser Tor soll nun doch nicht wie geplant in einem Wohnhaus untergebracht werden. Das kündigt Knut Mildner-Spindler (Die Linke) an, Sozialstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg.

"Wir prüfen eine Lösung in einem landeseigenen Gebäude. Dort soll auch Platz sein für ein erweitertes Hilfsangebot." Die Räume lägen "im Umfeld von etwa einem Kilometer vom Kottbusser Tor, es ist kein Wohnhaus, aber es gibt natürlich Nachbarn", so Mildner-Spindler. Die genaue Adresse wollte er vorerst nicht nennen. So wolle man einen erneuten Streit um einen Standort verhindern, der noch nicht endgültig feststehe.

Der Verein Fixpunkt e.V., dessen bisheriger Druckraum an der Dresdener Straße zum 1. April gekündigt worden war, könne an der alten Adresse weiterarbeiten, bis es neue Räume gebe, so der Stadtrat. Um die Situation zu verbessern, solle künftig auch einer der beiden Busse, die ambulante medizinische Versorgung anbieten, nicht mehr direkt vor der Ladenzeile am Kottbusser Tor stehen.

Geschäftsleute und Anwohner beklagen sich seit Monaten über immer mehr Dreck, gebrauchte Spritzen, Blut und Exkremente in den Hauseingängen und Passagen des Neuen Kreuzberger Zentrums (NKZ). Gewalt und Drogenhandel auf offener Straße gehörten zum Alltag. Eine Bürgerinitiative demonstriert jeden Samstag, teilweise mit drastischen Parolen und Drohungen. "Die Anwohner fühlten sich lange nicht wahrgenommen" sagt Ercan Yasaroglu, Sprecher der Initiative, deren Mitglieder größtenteils Migranten sind. Er meint. "Die Zustände am Kottbusser Tor sind auch deshalb so eskaliert, weil Süchtige aus anderen Gegenden der Stadt verdrängt werden".

Bundesweit in die Schlagzeilen kam die Situation am Kottbusser Tor, als Bezirksbürgermeister Franz Schulz ( Grüne) für den neuen Druckraum ein Ladengeschäft just in jenem Haus vorschlug, in dem der Bundesvorsitzender der Grünen, Cem Özdemir, wohnt. Dessen Nachbarn - Hausbesetzer, die vor Jahrzehnten des bunten Milieus wegen nach Kreuzberg kamen - wollten keine Fixer im eigenen Haus.

Die Polizei hat die Kontrolle der Drogenszene am Kottbusser Tor inzwischen verschärft. Im März gab es 15 große Einsätze, bei denen Drogenhändler und Süchtige kontrolliert wurden. 405 Personen bekamen Platzverweise, 130 Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet. Am Dienstag kamen zwei Personen in Haft. Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt. "Die Polizei hat einige der Dealer vertrieben, es gibt weniger Dreck und Ärger", sagt Yasaroglu.

Stadtrat Mildner-Spindler kündigt an, das Hilfsangebot in dem Druckraum für Süchtige "Kotti" könne demnächst erweitert werden. "Wir planen nach Geschlechtern getrennte Räume und auch einen Raum, wo Drogen geraucht werden, statt sie zu injizieren, wie es unter Süchtigen muslimischen Glaubens üblich ist." Aber auch diese könne nur ein "Baustein" der Drogenpolitik sein - "man wird auch damit nie alle Abhängigen erreichen".

Mancher Anwohner würde am liebsten die ganze Szene aus der Stadt verbannen, sagt Yasaroglu, der als Sozialarbeiter im NKZ arbeitet. Er leitet eine Vätergruppe. ist auch Vermittler im Umgang mit Konflikten. "Drohungen allein sind keine Lösung. Süchtige sollten als Kranke wahrgenommen werden, von Anwohnern und von der Politik - auch wenn das unbequeme Entscheidungen bedeutet wie etwa die Abgabe von Heroin auf Rezept."