Integration

Buschkowsky gegen türkische Werbeplakate

Viele Berliner betrachten sie mit fragendem Blick: Die türkischsprachigen Werbeplakate, die zunehmend im Stadtgebiet zu sehen sind - vor allem in Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln, Ortsteilen mit hohem Anteil türkischstämmiger Bewohner.

Heinz Buschkowsky (SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, betrachtet diese Entwicklung mit Argwohn: "Ich halte davon nicht viel. Ich finde, im öffentlichen Raum sollte man sich in der Landessprache Deutsch präsentieren."

In Rotterdam oder Glasgow, Städten mit ebenfalls hohem Ausländeranteil, sei eine solche Entwicklung nicht zu verzeichnen. "Wer dort durch die Stadt fährt, wird nicht erleben, dass Geschäfte oder Firmen in einer Fremdsprache werben. Hier erleben wir, dass zum Beispiel die Sonnenallee ihr Gesicht stark verändert hat, auch in Form fremdsprachlicher Werbung und Schrift." Werbung in einer Fremdsprache in einzelnen Bezirken oder Vierteln suggeriere "einen Hegemonie-Anspruch", so der Bezirksbürgermeister. "Dabei haben wir nur zehn Prozent Türken in der Stadt."

Die türkischstämmige Bilkay Önay, integrationspolitische Sprecherin der Grünen, sieht das anders: "Wir dürfen nicht vergessen: Nicht alle Türken leben hier seit vielen Jahren. Es gibt Menschen in Berlin, die sich schwer tun mit der deutschen Sprache. Die Werbeplakate tragen dem Rechnung. Die Parallelgesellschaften gibt es sowieso."

Die auf Türkisch werbenden Firmen schreiben ihren Plakaten weniger politische Bedeutung zu: "Wir bieten zwei türkische Programmpakete an", sagt Joyce Mariel, Pressereferentin von Kabel Deutschland. "Es passt einfach, dass wir die auf Türkisch bewerben. Das ist eine Punktlandung bei der Zielgruppe." Auch die Firma Immowelt.de wirbt mit Plakaten in türkischer Sprache. "Wir tragen damit den gesellschaftlichen Strömungen Rechnung, die in diese Richtung gehen. Dieser Realität können wir uns nicht entziehen", sagt Vorstandsmitglied Ulrich Gros. Er will die türkische Werbung als Ausdruck einer multikulturellen Gesellschaft verstanden wissen.

Bezirksbürgermeister Buschkowsky hält gerade das für gefährlich: "Eine multikulturelle Stadt zeichnet sich nicht dadurch aus, dass auf der Straße Fremdsprachen zu sehen sind. Da fängt eine Entwicklung an, die nicht förderlich ist, denn sie führt nicht zu Integration und Nachbarschaft. Unser kleinster gemeinsamer Nenner ist die deutsche Sprache. Wenn wir die aufgeben, geben wir den gemeinsamen Sozialraum, die gemeinsame Nachbarschaft auf. Dann wird es wie in Toronto, wo es Viertel nur mit Chinesen oder Arabern gibt."

Warnung auf Türkisch

Grünen-Integrationssprecherin Bilkay Önay hält die für Türken, die kein Deutsch sprechen, verständliche Werbung in Berlin hingegen für wegweisend: "Ich würde mir wünschen, dass der Senat ähnlich handelte. Die Privatwirtschaft ist da weiter als die Politik."

Tatsächlich werden auch auf offizieller Ebene in Vierteln mit hohem Migrantenanteil Fremdsprachen verwendet. So tragen etwa die grünen Notwasser-Pumpen auf den Straßen von Friedrichshain-Kreuzberg den Hinweis "Kein Trinkwasser" auch auf Türkisch. "Der Anteil der türkischen Bürger in Berlin ist nicht unerheblich", sagt Helmut Schulz-Hermann, Amtsleiter des zuständigen Tiefbauamtes des Bezirks. "Da gibt es manche, die sich mit der deutschen Sprache schwer tun - trotz aller Integrationspolitik." Insofern sei der zweisprachige Hinweis eine Frage der Sicherheit.

Neukölln - ebenfalls mit hohem Ausländeranteil - verfährt bewusst anders: "Wir schreiben das nur auf Deutsch an die Pumpen. In Neukölln leben Menschen aus 160 Nationen", sagt Baustadtrat Thomas Blesing. "Deutsch ist die Sprache, die alle verbindet."