Bildung

Studie: Vorteile durch Religionsunterricht

Der Religionsunterricht in Berlin vermittelt Grundkenntnisse über Religion und Gesellschaft und entwickelt wichtige interreligiöse Kompetenzen. Das zeigt eine Studie der Humboldt-Universität, deren Teilergebnisse gestern veröffentlicht worden sind.

Das Team von Forschern der Erziehungswissenschaft und der Theologischen Fakultät hat erstmals die Lernerfolge im evangelischen Religionsunterricht gemessen.

In einem 90-minütigen Test haben 1600 15-jährige Schüler aus Berlin und Brandenburg Fragen zu Grundkenntnissen über Religion sowie zu interreligiösen Kompetenzen beantwortet. Die Auswertung zeigt, dass sich die Grundkenntnisse derjenigen, die regelmäßig einen Religionsunterricht besucht haben, wesentlich von jenen unterscheiden, die in Grundschule und Oberschule keinen evangelischen Religionsunterricht hatten.

Der Vorsprung an Kenntnissen beträgt drei bis vier Schuljahre. Auch bei den interreligiösen Kompetenzen zeigen die Schüler, die regelmäßig am Religionsunterricht teilgenommen haben, höhere Fähigkeiten.

Auffällig ist, so die Autoren, dass die Niveauunterschiede unter den Religionsschülern sehr groß sind. "Das spricht dafür, dass die Qualität des Unterrichts an den Schulen sehr unterschiedlich ist", sagt die empirische Bildungsforscherin Roumiana Nikolova. Langfristig könne die Qualität des Religionsunterrichts nur dann gesichert werden, wenn die Lehrer wissenschaftlich ausgebildet sind und der Unterricht staatlich kontrolliert wird. Beides sei aber nur möglich, wenn der Religionsunterricht ein ordentliches Unterrichtsfach wird, sagt Erziehungswissenschaftler Dietrich Benner von der Forschergruppe der Studie.

Benner entwickelt derzeit eine vergleichbare Studie zur Qualität des Ethikunterrichts. Ergebnisse gibt es noch nicht. Der Vorwurf allerdings, der konfessionelle Unterricht sei ein Hindernis für die Integration, sei durch die Studie widerlegt, sagt Benner. Im Gegenteil, die Schüler erlernten die Fähigkeit, andere Kulturen und Religionen besser zu verstehen.

Das Bündnis Pro Ethik wirft der Forschergruppe vor, die Untersuchung des evangelischen Unterrichts auf Religionsunterricht insgesamt zu übertragen, obwohl islamischer Religionsunterricht beispielsweise gar nicht untersucht wurde. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung lasse zudem auf politischen Lobbyismus schließen, so das Bündnis Pro Ethik.

Am 26. April findet der Volksentscheid Pro Reli statt. Die Berliner stimmen über einen Gesetzentwurf ab, nach dem Religion und Ethik gleichberechtigte ordentliche Unterrichtsfächer sein sollen, zwischen denen die Schüler wählen können.