Flughafen Tempelhof

Studenten für Neubau der Landesbibliothek

Die Studentin Birgit El-Masri kommt regelmäßig in die Amerika-Gedenkbibliothek (AGB). Sie mag die Atmosphäre dort, findet dort jedoch häufig keinen Platz.

Daher würde die 23-Jährige einen Bibliotheksneubau auf dem Flughafen Tempelhof begrüßen, der die beiden Standorte der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) - die AGB in Kreuzberg und die Berliner Stadtbibliothek an der Breite Straße in Mitte - zusammenfasst.

Die Generaldirektorin der ZLB, Claudia Lux, verteidigte gestern das Neubauvorhaben gegenüber der Nutzung des denkmalgeschützten Flughafengebäudes. Wie berichtet, halten CDU und FDP einen Neubau für 270 bis 300 Millionen Euro angesichts des Leerstands im Flughafengebäude für unangemessen. "Der Altbau erfüllt in keiner Weise die Anforderungen einer modernen Bibliothek", sagt Lux. Ecken und Wände behinderten zum Beispiel den Buchtransport. Auch ließe sich der IT-Bereich nicht neu strukturieren. Eine angemessene Atmosphäre für die Nutzer, wie sie beispielsweise die 2004 von Rem Koolhaas entworfene Bibliothek in Seattle biete, ließe sich im Altbau nicht herstellen. "Wir müssten immer stoppeln. Das würde das Projekt gegenüber einem einfachen, klaren und vor allem ausbaufähigen Neubau verteuern", so Lux. Eine Machbarkeitsstudie, die die Nutzung des Flughafengebäudes als Bibliothek untersucht, aber gibt es nach Angaben Lux' noch nicht.

Im Jahr 2005 allerdings war die Architekturstudentin Tina Ihlenfeldt am Lehrstuhl für öffentliche Bauten in Dresden zu dem Schluss gekommen, dass die ZLB räumlich und auch von den Organisationsabläufen in der Haupthalle des Flughafens und den beiden angrenzenden Riegelbauten unterzubringen sei. Unter der Überschrift "Buchhafen Tempelhof" hatte Ihlenfeldt in einem Projekt von Ivan Reimann und auf Anregung des Historikers Götz Aly eine entsprechende Machbarkeitsstudie erstellt. "Einen Wahnsinn" nannte Ihlenfeldt gestern, dass man neu bauen wolle.

Wie berichtet halten die Regierungsfraktionen und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) einen Neubau für sinnvoll. Senatssprecher Richard Meng betonte aber gestern, dass es sich nur um Absichtserklärungen handele. "Die Finanzierung sowie Alternativen, wie die Erweiterung der AGB, müssen erst einmal geprüft werden", so Meng. Unter den Bibliotheksmitarbeitern wird ein Neubau, der die beiden Standorte in Ost und West zusammenführt, begrüßt. Doch wird die nach wie vor gültige Planung, ein Schaufenster der ZLB auf 4000 Quadratmeter im künftigen Humboldt-Forum einzurichten, als unsinnig empfunden. "Dann haben wir ja wieder zwei Standorte", sagt ein Mitarbeiter, der nicht genannt werden will.