Immobilien

Investor plant für 100 Millionen Euro Wohnprojekte

Das Bauvorhaben an der Lychener Straße 53 in Prenzlauer Berg gehört eher zu den kleinen Bauvorhaben der Projektentwicklungsgesellschaft Diamona & Harnisch. Gestern wurde dort der Grundstein für ein Gebäudeensemble mit 23 Wohnungen gelegt.

Das Investvolumen beläuft sich auf überschaubare sieben Millionen Euro. Doch das auf die Entwicklung von hochwertigen Immobilien spezialisierte Unternehmen will mitten in der globalen Finanzkrise in Berlin noch drei weitere Bauvorhaben starten und dabei insgesamt 100 Millionen Euro investieren. "Es mag seltsam klingen", sagt Projektentwickler Alexander Harnisch, "aber wir können keine Krise feststellen."

Zu den weiteren Projekten der Investorengemeinschaft gehören das Fichtenberg Carré in Steglitz mit 43 Wohnungen, der Diplomatenpark in Tiergarten mit 38 Wohnungen sowie die Choriner Höfe in Mitte mit 116 Wohnungen und sieben Gewerbeeinheiten. In den kommenden Monaten sollen die Grundsteinlegungen für diese Projekte erfolgen. "Bis Weihnachten haben wir eine deutliche Abkühlung bei der Nachfrage gespürt", sagt Harnisch. Die Verunsicherung habe sich aber mit Beginn des Jahres 2009 offensichtlich gelegt. "Zwar haben wir deutlich weniger Interessenten aus dem angloamerikanischen Raum", sagt Harnisch. Doch deren Zurückhaltung werde von deutschen Käufern wettgemacht. Die Gründe liegen nach Ansicht des Investors auf der Hand: "Es fehlen einfach Anlagealternativen", sagt er. Wer Geld habe, versuche es vor der drohenden Inflation zu schützen. "Und natürlich tun die historisch tiefen Finanzkosten ein Übriges", sagt Harnisch. Im edlen Diplomatenpark etwa seien noch vor dem Baubeginn im Mai bereits 60 Prozent der Wohnungen verkauft. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis von 6800 Euro hatte offenbar keine abschreckende Wirkung. Auch an der Lychener Straße mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 3300 Euro seien bereits 60 Prozent der Wohnungen verkauft. Am Fichtenberg Carré (3200 Euro/qm) und den Choriner Höfen (3300/qm) seien immerhin bereits 25 Prozent verkauft. "Sicherlich muss man heute längere Vermarktungszeiträume einkalkulieren, aber einen Markt für gehobenes Wohnen in der Hauptstadt gibt es nach wie vor."

Harnischs Erfahrungen decken sich mit jüngsten Aussagen des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) sowie der Kreditgeber bei der Berliner Sparkasse. Seit Anfang des Jahres gebe es deutlich mehr Beratungsgespräche, heißt es unisono. Die Sorge vor der Geldentwertung treibe die gut situierten Berliner ins Eigenheim. Vermögende Hauptstädter suchten nach einer sicheren Geldanlage. Vor allem Berliner mit einem verfügbaren Vermögen oberhalb der 100 000-Euro-Grenze seien derzeit auf Immobiliensuche.

Während zwischen den Jahren 2000 und 2007 jährlich durchschnittlich 80 Wohnungen in diesem sogenannten Premiumbereich in Mitte und Tiergarten fertig wurden, sind es nach einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Bulwien Gesa 2008 bereits 114 Luxuswohnungen gewesen. Als "Luxus" gelten Quadratmeterpreise ab 3500 Euro. 2009 und 2010 sind nach Angaben der Studie jeweils 194 derartige Neubauwohnungen in Berlin geplant.