Verkehr

Streit um Taxizuschlag am Flughafen

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Markus Falkner

Taxifahrten vom Flughafen Tegel sollen für Fahrgäste vom 1. Juli an um 50 Cent teurer werden. Das Geld fließt jedoch nicht in die Kassen der Taxifahrer. Mit den zusätzlichen Einnahmen werden nach derzeitigen Planungen sechs Arbeitsplätze finanziert.

Die Mitarbeiter sollen die Einhaltung verschärfter Qualitätsstandards kontrollieren, auf die sich die Innung des Berliner Taxigewerbes, der Taxi Verband Berlin-Brandenburg (TVB) und die Flughafengesellschaft verständigt haben. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung befürwortet die Pläne. Unter anderem geht es um Sauberkeit, Fahrzeugausstattung, aber auch Sprachkenntnisse. Der Taxiplatz-Betreiber Q-Park hat bereits alle laufenden Verträge gekündigt. Wer nach dem 1. Juli in Tegel Fahrgäste aufnehmen will, muss sich vom 1. April an neu registrieren lassen.

Mehr Qualität zum vergleichsweise kleinen Preis - alles bestens also für Fahrgäste und Taxifahrer? "Nein", sagt jetzt die dritte Branchenvereinigung, der Landesverband des Vereins TaxiDeutschland. Vorsitzender Stephan Berndt spricht von "Abzocke". Statt derzeit 70 Euro jährlich verlange Q-Park künftig 50 Cent bei jeder Zufahrt zum Flughafen. Dadurch würden die Kosten für die Unternehmen im Schnitt um das Zehnfache steigen. Berndt fordert die Taxifahrer in Tegel zum Boykott der neuen Regelungen auf, droht sogar mit Streik am Flughafen. Nach eigenen Angaben könnte sich der Konflikt sogar auf andere deutsche Airports ausweiten. TaxiDeutschland habe bereits erste Informationen erhalten, dass auch die Unternehmer in anderen Städten bereit sind, solidarisch zu streiken, weil sie befürchten, dass eine solche Kostenerhöhung Signalwirkung für andere Flughafengesellschaften hat.

Taxi-Verbände zerstritten

Ein Hintergrund des Streits der Branchenvertreter: Seit Jahren sind die verschiedenen Verbände des Taxigewerbes zerstritten. Zum Zeitpunkt der Verhandlungen über die Gebühr in Tegel befand sich TaxiDeutschland gerade in einer Neugründungsphase und saß nicht mit am Tisch. Später eingereichte Vorschläge seines Vereins seien nicht berücksichtigt worden, kritisiert Berndt und fordert Nachverhandlungen mit dem Senat.

Für TVB-Geschäftsführer Detlev Freutel ist das Säbelrasseln des Konkurrenzverbandes keine Überraschung. Berndts Rechnung hält er für blanken Populismus. Von steigenden Kosten könne keine Rede sein, wenn die Fahrer 50 Cent bei der Zufahrt bezahlen und 50 Cent vom Fahrgast bekommen. Freutel befürwortet ausdrücklich härtere Qualitätsstandards, auch um schwarzen Schafen in der Branche den Boden zu entziehen.

So sollen alle Taxifahrer in Tegel unter anderem verpflichtet sein, jede Fahrt - also auch kürzere Touren - anzunehmen. Derzeit lehnten viele Fahrer nicht lukrative Fahrten ab und stießen die ankommenden Berlin-Besucher damit vor den Kopf, kritisiert Freutel. Zudem soll in allen Flughafentaxis bargeldlos bezahlt werden können. Fahrer, die sich nicht an diese Regeln halten, sollen zumindest zeitweise vom Flughafenverkehr ausgeschlossen werden können.