Bildung

FDP fordert Konzept für Islam an Schulen

Die FDP fordert den Berliner Senat auf, ein Konzept für den Islam-Unterricht nach niedersächsischem und hessischem Vorbild zu entwickeln. Wenn der Volksentscheid Pro Reli am 26. April Erfolg haben sollte, könnte auch der Islam-Unterricht zum ordentlichen Wahlpflichtfach werden.

Wie dieser genau aussehen werde, ließ die Senatsverwaltung bisher offen. "In einer Stadt, in der es so viele Muslime gibt, braucht man ein solches Angebot", sagt Thomas Duveneck, Jurist in der Senatsbildungsverwaltung. Man werde sich deshalb Übergangslösungen einfallen lassen müssen. Wie die gestaltet sein könnten, hänge davon ab, wie die Gespräche mit den Glaubensgemeinschaften verliefen.

Niedersachsen und Hessen sind da schon weiter. Beide Bundesländer haben bereits Modellversuche für einen ordentlichen Islam-Unterricht an Schulen gestartet. In Hessen soll der Versuch möglichst schnell in ein Regelangebot übergeführt werden. In Niedersachsen gibt es bereits 29 Grundschulen mit Islam-Unterricht. Seit 2007 besteht an der Universität Osnabrück ein Lehrstuhl für Islam-Lehrer. An der Universität Frankfurt am Main wurde vor einem Jahr ebenso ein solcher Studiengang eingerichtet.

Lehrerausbildung in Deutschland

Wesentlicher Unterschied zum freiwilligen Islam-Unterricht, wie er an Berliner Grundschulen angeboten wird, ist die Abstimmung der Rahmenpläne mit der Schulaufsicht sowie die Voraussetzung, dass die Lehrer in Deutschland ausgebildet worden sind. Die Islamische Förderation hatte den freiwilligen Unterricht an Berliner Schulen eingeklagt. Derzeit nehmen 4600 Kinder daran teil. "Doch was in den Klassenzimmern gelehrt wird, wissen wir nicht genau", sagt Mieke Senftleben, bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion in Berlin. Viele Schulen klagen, dass mit dem Islam-Unterricht die religiösen Konflikte zwischen den Schülern eher zunehmen würden. Auch der Senat ist unzufrieden mit der Situation, doch mehr staatliche Aufsicht ist beim freiwilligen Religionsunterricht nicht möglich. Schließlich können auch die christlichen Religionsgemeinschaften Laien in der Schule einsetzen.

Auch deshalb hatte die rot-rote Koalition 2006 den verbindlichen Ethik-Unterricht eingeführt, allerdings erst ab der siebten Klasse. Das Problem an den Grundschulen besteht unverändert.

Bundesweit wird die Einführung des islamischen Religionsunterrichts schon seit Jahrzehnten diskutiert. Die Realisierung ist bisher daran gescheitert, dass für die Verwaltung der im Grundgesetz vorgeschriebene repräsentative Ansprechpartner der islamischen Gemeinde fehlt. Stattdessen gibt es viele Vereine, die Sunniten, Schiiten, Aleviten oder andere muslimische Glaubensrichtungen vertreten. "Für uns sind die Chancen für die Integration größer als die juristischen Bedenken", sagte Hessens Minister für Justiz und Integration Jörg-Uwe Hahn (FDP), der gestern mit dem niedersächsischen FDP-Fraktionschef Jörg Bode das Konzept des Islam-Unterrichts in Berlin vorstellte. Man habe den Islam aus den Hinterzimmern der Koran-Schulen herausholen wollen. Derzeit sei man dabei, mit den Glaubensvertretern Verträge zu verhandeln. Unter anderem werde mit Ditib verhandelt. Der Dachverband untersteht der Aufsicht des türkischen Staates. Es bestehe sogar die Bereitschaft, den Lehrplan vom Lehrstuhl der Uni Frankfurt/M. entwickeln zu lassen, so Hahn.

Berliner Lehrstuhl gefordert

Mieke Senftleben fordert einen ähnlichen Lehrstuhl an einer Berliner Universität. Zudem müsse sich der Senat mit den islamischen Glaubensgemeinschaften an einen Tisch setzen und gemeinsame Inhalte für den Islam-Unterricht entwickeln. Derzeit betonen die islamischen Glaubenvertreter in Berlin allerdings eher ihre Unterschiede. Die Aleviten betrachten sich als eigenständige Glaubensgemeinschaft und wollen keinen gemeinsamen Unterricht mit der Islamischen Förderation. Während die Aleviten Pro Ethik unterstützen und die jetzige Regelung beibehalten wollen, hat sich Ditib für Pro Reli ausgesprochen.