Immobilien

Mieterhöhung: Senat lehnt Hilfe für Betroffene ab

Die Mieter der ehemaligen Sozialwohnungen in der Fanny-Hensel-Siedlung in Kreuzberg können trotz der Erhöhung ihrer Miete um 32 Prozent nicht auf eine schnelle Hilfe des Senats zählen.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) lehnte gestern im Bauausschuss neben der einmaligen Zahlung einer Umzugskostenhilfe weitere finanzielle Hilfen ab. "Wenn wir in der Umgebung preiswerten Wohnraum zur Verfügung stellen können, sehe ich dafür keinen Anlass", sagte die Senatorin.

Ganz konkret ging es gestern um die Mieter von 44 Wohnungen an der Schöneberger Straße/Ecke Fanny-Hensel-Straße in Kreuzberg. In den 1987 errichteten IBA-Bauten, die aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zum Potsdamer Platz mittlerweile zur begehrten Wohnlage zählen, wohnen überwiegend Bezieher von Hartz IV-Leistungen. Nach dem Wegfall der Wohnungsbauförderung und dem Verkauf verlangt der neue Eigentümer nun eine Nettokaltmiete von 7,04 Euro pro Quadratmeter (bislang: 5,33 Euro). Und das völlig zu Recht: Nach dem Auslaufen der Förderung für den sozialen Wohnungsbau kann der Eigentümer die Kostenmiete in voller Höhe von den Mietern verlangen. Nicht nur Sebastian Jung, der gestern mit vielen anderen Betroffenen in den Bauausschuss gekommen war, fürchtet, "dass die meisten Familien den Kiez nun verlassen müssen." Denn anders als von der Senatorin dargestellt, gebe es bei den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften Degewo und Gewobag keine einzige Wohnung, die den Vorgaben der Hartz-IV-Regelungen entspräche: "Für eine vierköpfige Familie dürfen das nicht mehr als 619 Euro sein", so Mietersprecher Jung.

Der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne) befürchtet gar, dass dieser Fall erst die Spitze des Eisbergs sei. Allein im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gebe es knapp 2300 einstige Sozialwohnungen, in denen ähnliche Mietanpassungen drohten.

Enttäuscht von der Haltung der Senatorin zeigte sich gestern auch der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins: "Nehmen die Mieter wegen der drastischen Mieterhöhung ihr Sonderkündigungsrecht wahr, müssen sie in knapp zehn Wochen ausziehen." Sollten sie jedoch bis zum 30.April keinen Ersatzwohnraum gefunden haben, riskierten sie die Obdachlosigkeit.