Immobilien

Kultur statt Pakete in Neuköllner Post

Noch sind die Türen der Alten Post an der Neuköllner Karl-Marx-Straße geschlossen. Nachdem das historische Gebäude im vergangenen Jahr fünf Monate lang Schauplatz für Theater, Kunst und Tanz war, ist auch dieses Jahr wieder eine kulturelle Zwischennutzung geplant.

"Vorstellbar ist, dass die Post zum Kulturfestival ,48 Stunden Neukölln' im Juni öffnet", sagt Horst Evertz, Senatsbeauftragter für die Erneuerung der Karl-Marx-Straße. In einem "kreativen Workshop" mit dem Eigentümer der Post, Händlern und Kulturschaffenden solle Anfang Mai darüber beraten werden, welches Potenzial in der Post steckt und wie der Standort wirtschaftlich betrieben werden kann.

Das ist der entscheidende Punkt: Ziel des Immobilieneigentümers, eines italienischen Firmenkonsortiums, ist die langfristige, wirtschaftliche Vermietung des Postgebäudes. Bei der temporären Nutzung im vergangenen Jahr hat der Bezirk draufgezahlt. Zwar hatte der Eigentümer das Haus für die kulturelle Nutzung mietfrei überlassen, doch die Betriebskosten musste Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) aus seinem Budget bezahlen. "Eine hohe fünfstellige Summe", sagt Blesing. Deshalb fordert er in diesem Jahr von den Kulturschaffenden, dass sie zumindest die Betriebskosten übernehmen müssen.

Seit sechs Jahren steht das imposante rote Backsteingebäude an der Ecke Anzengruberstraße leer. Vor mehr als zwei Jahren hat die Post ihr altes Amtsgebäude aus dem Jahr 1907 verkauft. Pläne für ein Einkaufszentrum waren im Gespräch, ließen sich aber mit den Auflagen des Denkmalschutzes nicht vereinbaren. Hoffnungen, die kulturelle Zwischennutzung vom vergangenen Jahr in einen dauerhaften Kulturbetrieb übergehen zu lassen, sind an der fehlenden Wirtschaftlichkeit zerbrochen.

Pläne für eine Kunsthalle des Bezirkes

Dabei gibt es bereits große Pläne für eine dauerhafte Wiederbelebung des 100 Jahre alten Hauses: Ilka Normann, Geschäftsführerin vom Kulturnetzwerk, schwebt vor, aus dem Gebäude eine "Neuköllner Kunsthalle" zu machen. "Das würde nicht nur die Position der Karl-Marx-Straße stärken, sondern auch ganz Neukölln gut tun", sagt Ilka Normann. Voraussetzung sei jedoch ein schlüssiges Konzept. "Das Haus muss sich selbst tragen", sagt auch Thomas Blesing. Das Kulturnetzwerk Neukölln, das die fünfmonatige Zwischennutzung der Post organisiert hatte, weiß im Moment noch nicht, wie das unternehmerische Risiko zu schultern ist. Um die Idee einer "Neuköllner Kunsthalle" zu verwirklichen, könnte sich das Kulturnetzwerk eine Mischnutzung aus Büros, Ateliers und Werkstätten vorstellen. Mit der Vermietung einzelner Räume sollen Einnahmen erwirtschaftet werden. "Der Bedarf eines kulturellen Zentrums ist da", sagt Normann. 15 000 Besucher kamen im vergangenen Jahr in die Post. In dieser Zeit gab es Theater- und Schulprojekte, Ausstellungen und Workshops auf allen Etagen.

Der Versuch, in der Alten Post Kultur zu etablieren, ist im Rahmen der "Aktion Karl-Marx-Straße" zu sehen - einer bezirklichen Initiative zur Aufwertung des Kiezes. In diesem Zusammenhang soll auch die Passage an der Karl-Marx-Straße mit einer Lichtkunstinstallation verschönert werden. Geplant ist zudem, den Platz der Stadt Hof als zentralen Platz zu gestalten.

Zerschlagen hat sich hingegen die Idee, Teile der Karl-Marx-Straße in eine Fußgängerzone zu verwandeln. Seit mehr als zwei Jahren arbeiten SPD, Grüne und Linke in der Bezirksverordneten-Versammlung an der Idee, Bereiche zwischen dem Karl-Marx-Platz und der Flughafenstraße für Fahrzeuge komplett zu sperren. Eine Machbarkeitsstudie von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat dieser Idee jetzt eine Absage erteilt. In der zweiten Jahreshälfte beginnt der Umbau der südlichen Karl-Marx-Straße zwischen Jonas- und Silbersteinstraße. In diesem Bereich gibt es künftig nur noch eine Fahrbahn pro Richtung, dafür aber einen 1,60 Meter breiten Radfahrweg.