Kriminalität

KaDeWe-Coup: Zwillinge unter Beobachtung

Der Unmut der Ermittler über die nicht zu umgehende Freilassung der Zwillinge Abbas und Hassan O. währte nur kurz - dann setzte im Berliner Landeskriminalamt (LKA) schnell die "Jetzt-erst-recht"-Stimmung ein.

"Die Ermittlungen gehen mit Hochdruck weiter, die ganze Sache wird sich jetzt wohl etwas länger hinziehen und mehr Aufwand erfordern, aber wir bleiben dran", sagte ein Beamter gestern. Im Klartext: Die beiden Brüder, nach wie vor dringend verdächtig, an dem spektakulären Einbruch ins KaDeWe beteiligt gewesen zu sein, bleiben weiter im Visier der Fahnder.

Auch wenn sich Polizei und Staatsanwaltschaft gestern zum weiteren Vorgehen in dem Fall aus taktischen Gründen bedeckt hielten, ist davon auszugehen, dass Hassan und Abbas O. ab sofort intensiv beobachtet werden. Auch die Möglichkeit der Telefonüberwachung werde erwogen, hieß es gestern aus Ermittlerkreisen. Da die Verdächtigen bereits einen Tag nach ihrer Entlassung aus der Untersuchungshaftanstalt Moabit wieder in ihren niedersächsischen Heimatort Rotenburg (Wümme) zurückgekehrt sind, ist auch die dortige Polizei in alle weiteren Maßnahmen eingebunden. "Ruhig wird es für die beiden sicher nicht", kommentierte ein niedersächsischer Beamter.

Abbas und Hassan O. mussten, wie berichtet, am Mittwoch aus der U-Haft entlassen werden, weil sich die am Tatort gefundene DNS-Spur nicht eindeutig genug einem von ihnen zuordnen ließ. "Beide könnten am Tatort gewesen sein, aber beide auch nicht, daher ist im Zweifelsfall zugunsten der Beschuldigten zu entscheiden", sagte Justizsprecher Michael Grunwald nach der Freilassung.

Für Verärgerung sorgte nicht nur bei Ermittlern sondern auch bei Politikern und der Öffentlichkeit das Auftreten der beiden Männer nach ihrer Haftentlassung. Familienmitglieder berichteten, die beiden Männer sähen sich als Opfer, die unschuldig hinter Gittern gesessen hätten. "Beide beteuern, sie hätten mit der Tat nichts zu tun", sagte ein älterer Bruder der Zwillinge. Axel Weidmann, einer der Anwälte der Zwillinge hält es gar für möglich, dass die "wirklichen Täter" die DNS-Spur ganz bewusst am Tatort legten, um von sich abzulenken und die Ermittler auf eine falsche Fährte zu locken. Dies wird im LKA allerdings weitgehend ausgeschlossen.

Ansonsten wird nach wie vor in alle Richtungen ermittelt. Polizei und Staatsanwaltschaft sind sicher, dass es Komplizen und vor allem einen Drahtzieher gegeben haben muss. "Die beiden Zwillinge waren vermutlich nur ganz kleine Lichter, die lediglich einen Auftrag ausgeführt haben, wir wollen die Hintermänner", sagte ein Ermittler.

Auch von der Beute fehlt noch jede Spur. Dennoch gab es inzwischen zumindest für die Juwelierkette Christ, deren Filiale im KaDeWe ausgeräumt wurde, eine frohe Botschaft: Die Versicherung hat den Schaden inzwischen ersetzt.