Nahverkehr

S-Bahn schafft Platz für Fahrräder

Die S-Bahn setzt weiter auf die Verbindung von Zug und Fahrrad - und schafft mehr Platz für radelnde Kunden. In Kürze beginnt der Umbau der Züge der modernsten Baureihe 481. In den Mehrzweckabteilen verschwinden auf einer Seite die Klappsitze.

Stattdessen gibt es mehr Stellplätze für Räder. Durch die klare Trennung von Sitzplätzen und Fahrradabteil sollen zugleich die häufigen Konflikte zwischen Fahrgästen mit und ohne Rad der Vergangenheit angehören, hofft S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz.

Ziel ist es nach S-Bahn-Angaben, alle Züge der Baureihe nach und nach umzurüsten. Die Kosten sollen "vergleichsweise gering" sein, weil der Umbau im Rahmen normaler Werkstattaufenthalte geplant ist. Derzeit tüfteln die Experten noch an Details wie etwa der Position der Haltestangen. Die ersten Modelle sollen aber bereits im April vorgestellt werden. Ein Pilotversuch, der 2008 mit zehn Zügen gestartet wurde, habe gezeigt, dass die "große Mehrheit" der Kunden den Umbau begrüße, so Priegnitz. S-Bahn-Chef Tobias Heinemann setzt damit weiter auf die Erschließung einer stetig wachsenden Klientel. Immer mehr Berliner nutzen auf dem Weg zur Arbeit und in der Freizeit eine Verbindung von Rad und Zug, wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bestätigt. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Fahrradmitnahmen in der S-Bahn um 50 Prozent auf 18,3 Millionen im Jahr 2007 gestiegen. An guten Tagen befördert die S-Bahn bis zu 60 000 Räder, selbst im Winter sind es kaum weniger.

Nach Angaben des Verkehrsverbundes VBB und der Senatsverwaltung hält dieser Trend unvermindert an. Der Umsatz der verkauften Fahrradtickets für S-Bahn und BVG stieg von April bis Oktober 2008 je nach Tarif um elf bis 47 Prozent. Das durchschnittliche Umsatzplus aller Tickets lag im gleichen Zeitraum bei nur 1,7 Prozent.

Ein Erfolg, der auch frühzeitigen Entscheidungen zu verdanken ist. Als wohl erstes großstädtisches Verkehrsunternehmen bundesweit ermöglichte die S-Bahn in den 90er-Jahren die Fahrradmitnahme ohne zeitliche Beschränkung. Eine Regelung, die bis heute fast einmalig ist. In Metropolen wie München, Hamburg, Paris, London oder Kopenhagen können Räder nicht rund um die Uhr mitgenommen werden. Auch deshalb wurde die S-Bahn jetzt mit der Auszeichnung "FahrRadStadt Berlin" geehrt.

Das wachsende Kundenpotenzial der Fahrradfahrer ist für die S-Bahn ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor, wie Sprecher Priegnitz betont. Die Schaffung von Mitnahmemöglichkeiten allein reiche aber nicht aus, um diesen Markt zu erschließen. Zumal selbst bei einem Umbau aller Züge nicht genug Platz für alle potenziellen Nutzer der "Reisekette" Rad-Bahn geschaffen werden könne. Ebenso wichtig sei daher, mehr Abstellmöglichkeiten für Räder an den Bahnhöfen zu schaffen.

Bereits 1999 hat die S-Bahn begonnen, den Einzugsbereich der Bahnhöfe durch den Bau von Radabstellanlagen zu vergrößern. Bis 2004 wurden 6700 Stellplätze geschaffen. Seit 2005 finanziert das Land das Programm, hat seitdem 2000 weitere Stellplätze gebaut. Neue Anlagen sind zuletzt an den Stationen Pichelsberg, Bundesplatz und Heidelberger Platz entstanden. Derzeit im Bau sind Fahrradbügel am Bahnhof Schönhauser Allee.

Trotzdem reicht das Angebot kaum aus, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen, wie die Senatsverwaltung bestätigt. Und die Nachfrage soll nach den Vorstellungen von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) weiter wachsen. Bis 2010 sollen 15 Prozent aller zurückgelegten Wege in Berlin mit dem Rad absolviert werden, so das Ziel.