Verkehr

"Autobahn belastet Wohnstraßen"

Die Zahlen und Fakten für den Ausbau der A 100 zwischen Neukölln und Treptower Park liegen auf dem Tisch. Die 3,2 Kilometer lange Trasse soll dazu beitragen, dass Wohngebiete und Hauptverkehrstraßen im Südosten und Innenstadtbereiche vom Durchgangsverkehr entlastet werden.

Die Planungsunterlagen, die noch bis 9. April ausgelegt sind, enthalten eine Verkehrsprognose für 2025. Sie berechnet für die Köpenicker Landstraße eine Verringerung des Verkehrs um fast 27 000 Fahrzeuge pro Tag, für die Straße Am Treptower Park um 14 200 Fahrzeuge. An den Anschlussstellen Sonnenallee und Am Treptower nimmt der Verkehr laut Prognose indes zu. An der Elsenbrücke werden 13 000 Fahrzeuge pro Tag mehr erwartet, an der Anschlussstelle Sonnenallee fast 15 000 Fahrzeuge. 11 000 Anwohner sind den Berechnungen zufolge von der Verkehrszunahme betroffen, 27 100 von der Entlastung. Der Bund für Umwelt und Natur ("Bund") kritisiert, dass der Verkehr vor allem in Straßen abnimmt, an denen keine oder nur wenige Wohnhäuser stehen wie Puschkinallee, Bulgarische Straße und Am Treptower Park.

Der "Bund" kritisiert außerdem, dass die verlängerte A 100 in einigen Straßenabschnitten im Umfeld der Autobahnabfahrt zu Grenzwertüberschreitungen bei Feinstaub und Stickstoffdioxid führen wird. Dies ergibt die lufthygienische Untersuchung. Betroffen ist vor allem die Elsenstraße. Dort wird erwartet, dass der Grenzwert für Feinstaub an mehr als den nach EU-Recht zulässigen 35 Tagen im Jahr überschritten wird.

Aus Sicht des "Bundes" sind diese Grenzwertüberschreitungen nicht zu akzeptieren. Er sucht Anwohner, die dagegen klagen wollen. Drei Bewohnerinnen aus der Elsenstraße hätten sich bereits dazu bereit erklärt, sagt Martin Schlegel, Verkehrsreferent beim "Bund" Berlin. "Wir werden uns wahrscheinlich an der Klage beteiligen." Doch dies könne erst geschehen, wenn der Planfeststellungsbeschluss für die Autobahnverlängerung vorliege. "Das ist nicht vor Ende 2010 zu erwarten."

Zunächst hoffen der Bund für Umwelt und die Bürgerinitiative Stadtring Süd darauf, dass möglichst viele Betroffene eine Einwendung schreiben. Argumente, die dabei verwendet werden können, nennt die Initiative auf der Internetseite www.stop-a100.de . Sie hat außerdem eine Zeitung herausgegeben, die in einer Auflage von mehr als 20 000 Exemplaren erschienen ist. Diese wurden in den Straßen verteilt, die an die künftige Trasse grenzen werden. Ein Teil der Zeitungstexte ist auch in türkischer Sprache zu lesen. Der "Bund" begrüßt aber, dass für den neuen Autobahnabschnitt offenporiger Asphalt, der sogenannte Flüsterasphalt, verwendet werden soll. Erwartet wird, dass er den Lärm um fünf Dezibel verringert.

Für die Autobahn-Verlängerung sollen fast 300 Bäume fallen, darunter 14 alte Platanen, die zum Gartendenkmal Treptower Park gehören. sind. Etwa neun Hektar Boden werden versiegelt. Als Ausgleich sollen 686 neue Bäume gepflanzt und fast drei Hektar Boden entsiegelt werden. Weil 300 Kleingärten in Neukölln und Treptow dem Bauvorhaben weichen müssen, gehen auch Lebensräume von Tieren verloren, darunter elf Teiche und Vogel-Brutplätze. Im Gegenzug soll es mehr als 200 Nisthilfen für Höhlenbrüter und Fledermäuse geben.