Haushalt

Senatsbibliothek wird bis Jahresende geschlossen

Bis Ende des Jahres wird die Senatsbibliothek an der Straße des 17. Juni geschlossen. Dies bestätigte die Generaldirektorin der Stiftung Zentral und Landesbibliothek (ZLB), Claudia Lux, der Morgenpost. Ihren Angaben zufolge werde die traditionsreiche, als kommunalpolitische Spezialbibliothek auch bundesweit bedeutsame Einrichtung aber nicht abgewickelt.

Vielmehr sollen ihre Bestände, rund eine halbe Million Bände, in die Abteilung Recht der Stadtbibliothek an der Breiten Straße in Mitte integriert werden. Das habe den Vorteil, dass bisher doppelt abonnierte teure Fortsetzungswerke wie Fachzeitschriften oder juristische Loseblattsammlungen nur noch einmal bezogen werden müssten.

Laut ZLB soll die Kündigung des Mietvertrages durch den Eigentümer des Ernst-Reuter-Hauses, die Firma Cenda Invest, zum 30. Juni 2010 der Grund für den Umzug sein. Zwar seien vorerst nur Personalräume und Büros, nicht aber die Buchmagazine von der Kündigung betroffen, so dass für die Bestände kein unmittelbarer Umzugsdruck bestehe. Jedoch habe die Kündigung den Anstoß für die Umstrukturierung gegeben.

Diese Darstellung allerdings wies ein Sprecher des Vermieters entschieden zurück. Man wünsche "sich ausdrücklich den Verbleib der Senatsbibliothek" im demnächst komplett sanierten und umgebauten Ernst-Reuter-Haus. Deshalb habe der Investor den Verantwortlichen der Bibliothek ein "neues, im Vergleich zu den bisherigen gemieteten Flächen deutlich optimiertes Raumkonzept mit einem verbesserten öffentlichen Zugang" angeboten: "Cenda Invest geht nach den vorausgegangenen konstruktiven Gespräche und Abstimmungen davon aus, dass die Senatsbibliothek als Mieter im Objekt verbleibt."

Dazu wird es jedoch offensichtlich nicht kommen. Bibliotheksintern ist von einem "Alleingang" der Generaldirektorin die Rede, der für viel Missstimmung sorge. Die Mitarbeiter der Senatsbibliothek wehren sich zwar nicht gegen eine Integration in die Abteilung Recht, aber sie erwarteten "einen geordneten und gründlich geplanten Übergang". Bei vernünftiger Betrachtung dürfe dies eigentlich nicht zuviel verlangt sein, hieß es weiter.

Der Personalrat der ZLB zeigte sich überrascht. In einem wenige Tage alten Schreiben an den zuständigen Abteilungsleiter der Senatskulturverwaltung, Volker Heller, heißt es: "Nichts gegen zügige Entscheidungsfindungen, aber wenn diese ohne belastbare und qualifizierte Grundlagen erfolgen, drängt sich der Verdacht auf, dass es sich nicht um eine unabhängig und sachgerecht erzielte Entscheidung handeln kann." Die Personalvertretung kritisierte zudem, dass Claudia Lux indirekt das Angebot der Senatsbibliothek in Frage stelle. Es solle geprüft werden, zitiert der Personalrat aus einer internen Leitungsrunde eine Feststellung der Generaldirektorin, "welche Dienstleistung zukünftig aufrechterhalten wird".

Verärgert reagierte auch die im Frühjahr 2009 eingesetzte Strukturkommission der ZLB. Für die versammelten Fachleute teilte die frühere Hamburger und niedersächsische Kulturministerin Helga Schuchardt der ZLB-Chefin schriftlich mit: "Die Senatsbibliothek ist unter den drei Standorten die am besten aufgestellte Bibliothek." Ohnehin lasse die "derzeitige räumliche Situation" in der Breiten Straße oder auch in der Amerika-Gedenkbibliothek "eine weitere Belastung" durch die Verlagerung der Bestände aus dem Ernst-Reuter-Haus nicht zu: "Wohin, liebe Frau Lux, wollen Sie denn die Bestände schieben?"

Wie die geplante Verlagerung der Senatsbibliothek mit den langfristigen Plänen für eine Neuordnung der ZLB zusammenpasst, ist offen. Beide Hauptstandorte in Kreuzberg und Mitte sind zu klein; es gibt Überlegungen für neue Flächen im wieder zu errichtenden Stadtschloss und auf dem Areal des ehemaligen Flughafens Tempelhof.

"Die Senatsbibliothek ist die am besten aufgestellte Bibliothek"

Helga Schuchardt