Umzug

Jobcenter Neukölln bezieht Büroturm im Kindl-Boulevard

Vom Aschenbrödel zur Prinzessin: Bereits vor Jahren hatte das Neuköllner Jobcenter wegen mangelhafter Organisation einen schlechten Ruf, jetzt könnte es sich als Vorbild entpuppen.

Mit dem Umzug in den Kindl-Boulevard an der Mainzer Straße 27 wurden nicht nur alle fünf bisherigen Standorte unter einem Dach vereint - das ist im Jobcenter an der Bundesallee in Wilmersdorf bereits seit der Gründung der Jobcenter 2005 der Fall -, auch die Organisation wurden verbessert, wie Geschäftsführer Konrad Tack berichtete. So werden Neukunden jetzt in einem gesonderten Bereich in der ersten Etage betreut. Das soll die Kundenströme entzerren. Neu auch: Familien oder die sogenannten Bedarfsgemeinschaften werden im neuen Dienstleistungszentrum von demselben Vermittler betreut. Bei unterschiedlichen Familiennamen waren zuvor mehrere Sachbearbeiter zuständig.

Die 300 Meter lange Warteschlange vor dem bisherigen Jobcenter an der Sonnenallee gehöre jedenfalls der Vergangenheit an, sagte Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) erleichtert. Er hatte sich für den Umzug stark gemacht, obwohl das Bundesarbeitsministerium bei der Anmietung der neuen Immobilie nicht mitzog. "Es war nicht einfach, die oberen Entscheidungsebenen davon zu überzeugen", gab Buschkowsky bei einem Pressegespräch im Jobcenter gestern freimütig zu. Das Land Berlin sei in Vorleistung gegangen und habe den langfristigen Mietvertrag über zehn Jahre geschlossen. Auf den Kosten bleibt die Kommune aber nicht sitzen. Die Agentur für Arbeit zahlt die Miete - abzüglich 12,6 Prozent, mit denen sich der Bezirk beteiligt. Durch 2000 Quadratmeter Fläche weniger (das Jobcenter nutzt 18 000 Quadratmeter) hätten sich die Mietkosten verringert. Es werde ein sechsstelliger Betrag eingespart.

Auch nächstes Jahr, wenn die Dienstleistung der Agentur für Arbeit und der Kommune getrennt angeboten werden muss, was Buschkowsky für "Blödsinn" hält, seien die neuen Räume von Vorteil: "Sie können den Menschen, die zum Jobcenter müssen, den Totalhorror nehmen. Wenigstens haben sie jetzt nur eine Adresse." Das Bürohaus, in dem das Jobcenter die erste bis sechste Etage nutzt - es gibt fünf Eingangszonen - und der Bezirk auch noch die drei darüber beispielsweise mit dem Wohnungsamt und der Amtsvormundschaft belegen wird, sei auch für künftige Organisationsformen offen.

Beim Besichtigungsrundgang musste sich Bezirksbürgermeister Buschkowsky in der Eingangzone allerdings zunächst einmal beschimpfen lassen: "Eine Zumutung - und ihr glaubt auch noch, es ist hier besser", ärgerte sich ein Mann. Es gab aber auch zufriedene Jobcenter-Kunden wie Steffi Matschulat (31). Die Mutter von zwei Kindern, die eine Arbeit als Buchhalterin sucht, lobte: "Hier ist es viel besser als in der Sonnenallee. Es geht schneller, und ich bin überraschend gut und nett bedient worden. In 15 bis 20 Minuten war alles erledigt."

Im Januar 2010 sind in Berlin bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern fast 250 000 Arbeitslose gemeldet - rund 17 600 mehr als im Vormonat und etwa 6300 mehr als vor einem Jahr. Der Anteil Arbeitsloser, der Hartz IV erhält, beträgt fast 80 Prozent. Für die restlichen 20 Prozent Arbeitslose sind die Agenturen zuständig. Die Arbeitslosenquote beträgt 14,5 Prozent. In Neukölln liegt sie bei 22,1 Prozent. Die 750 Mitarbeiter im Jobcenter betreuen 80 000 Leistungsbezieher. Davon haben mehr als 60 Prozent keine berufliche Qualifikation.