Morgenpost-Kälte-Report

Berlin bibbert

| Lesedauer: 5 Minuten

Die klirrende Kälte hat Berlin fest im Griff. Nachts messen die Meteorologen in Berlin derzeit bis zu minus 16 Grad Celsius. "Am Stadtrand ist es sogar noch kälter", sagt der Wetterexperte Thomas Globig vom Wetterdienst Meteomedia.

Tagsüber wird es nicht viel wärmer, gestern lagen die Temperaturen am Morgen bei minus 14 Grad Celsius, am frühen Nachmittag bei minus zehn Grad Celsius. Und das soll in den kommenden Tagen auch so bleiben. Wie die Berliner mit der eisigen Kälte umgehen, lesen Sie im Morgenpost-Kälte-Report:

5 Uhr, BSR

Der Berliner Stadtreinigung (BSR) kommt die trockene Kälte - im Gegensatz zu den Schneefällen - entgegen. "Im Prinzip wird seit Weihnachten fast jeden Tag der Beginn des Frühdienstes um zwei Stunden von 5 Uhr auf 3 Uhr vorverlegt", sagt BSR-Sprecherin Sabine Thümler. "So können wir bis zum Start des Morgenverkehrs die Straßen frei räumen." Durch den extremen Frost komme es zu Glättebildung, die die BSR bekämpfen müsse. Auch am Montagmorgen werden deshalb alle 18 250 Straßenkreuzungen in Berlin mit Splitt behandelt. Ein kleineres Problem sei der allmorgendliche Reif, der auf den Straßen liege.

9.45 Uhr, St.-Hedwigs-Kathedrale

Langsam finden sich die ersten Besucher des katholischen Gottesdienstes um 10 Uhr in der St.-Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz im Bezirk Mitte ein. In der Kirche mit der großen Kuppel ist es kalt, die Temperaturen liegen bei etwa 15 Grad Celsius, und die harten Holzbänke haben keine Sitzheizung. Viele Menschen nehmen in ihren Wintermänteln zum Gebet Platz. Doch die Menschen spenden Wärme. Nach der besinnlichen Andacht steigt das Thermometer auf 17 Grad Celsius.

14 Uhr, U-Bahn-Linie 1

Obwohl die BVG die Kreuzberger Hochbahn beheizt, steigt die Temperatur in den Waggons der Bahn nicht über zehn Grad Celsius. An jeder Station zieht eine eisige Böe sibirischer Kälte in Innere. Ein Fahrgast wickelt sich den Schal über den Kopf. "Brrr, hier halte ich es nicht lange aus." Er ist froh, an der Station Gleisdreieck in die U2 Richtung Olympia-Stadion umsteigen zu können. Denn in den Wagen der Tiefbahn ist es wärmer, dort zeigt das Thermometer 15 Grad Celsius an.

15.30 Uhr, Eisdiele

Dass das Eis draußen dem Eis drinnen keine Konkurrenz macht, ist am Potsdamer Platz zu sehen: Im "Caffé e Gelato" sind alle Tische besetzt. Auch vor dem Tresen stehen die Menschen Schlange und ordern Tüteneis, als sei Hochsommer. "Wir bieten im Winter zwei Spezialsorten an, die einheizen", sagt eine Kellnerin. Kein Wunder: In 'Spezie' sind Hagebutte, Zimt und Ingwer verarbeitet. Und eine Schoko-Variante ist mit Chili verfeinert. Wer es trotzdem lieber warm mag, kann beim dänischen Premium-Eisladen "Häagen Dazs" am Hackeschen Markt etwas Besonderes erstehen: "Heißes Eis". Der Verkäufer Miro Shrzanowski erläutert, was das ist: "Wir erhitzen eine Kugel Belgisches Schokoladeneis und reichen dazu Sahne, Schokoraspeln und Schokosoße."

16 Uhr, Alte Nationalgalerie

Zum Aufwärmen scheint ein Museumsbesuch genau das Richtige zu sein. Die Berliner Museen sind großzügig beheizt. Mollig warm scheint nach der Kälte im Freien die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel. Bei fast 22 Grad Celsius laufen einige Besucher sogar im T-Shirt herum. "Hoffentlich ist es bei Adolph Menzels Bildern auch so warm", sagt Simon Hopf (24), bevor er in die Ausstellung geht.

17.30 Uhr, Potsdamer Platz

So macht sonntägliches Shoppen Spaß: Beim verkaufsoffenen Sonntag in den Arkaden am Potsdamer Platz zwischen 13 und 18 Uhr musste man nur durch die Wärmeschleusen, dann empfangen einen warme 20,5 Grad Celsius.

18 Uhr, Feuerwehr

Für die Feuerwehr war es ein Wochenende mit normalen Einsätzen und vereinzelten Wasserrohrbrüchen. Zehlendorfer Feuerwehrleute zeigten sich besonders hilfsbereit. "Sie haben mich und meinen Einser BMW schon zwei Mal aus einer vereisten Parklücke geschoben", berichtet eine Anwohnerin.

19.15 Uhr, Kino Filmrauschpalast

Kinos und Theater haben im Winter meist großen Zulauf, von Kältemuffeln können die wenigsten berichten. "Unser Saal ist nicht nur warm", sagt Christiane Kühnemund vom Kino im Kulturhaus Spandau, "sondern auch voll". Zwischen den Vorstellungen lüfte sie deshalb immer den Saal aus. "Die Leute geben sogar ihren Mantel am Eingang ab, und ich habe heute mindestens schon 20 Eis verkauft."

Etwas schwieriger ist dieser Winter für das kleine Kino Filmrauschpalast in Tiergarten. "Wir sind sehr froh, dass uns die Filmförderungsanstalt vor einigen Jahren einen Ofen spendiert hat", sagt Torsten Dorow. "So bekommen wir zumindest den Vorführraum immer schön warm."

22 Uhr, Taxistand

Bei den Temperaturen sind Taxis heiß begehrt. "Wem es an der Bushaltestelle zu kalt wird, der gibt auf und winkt uns ran", erzählt Klaus Mertin. Der 54-Jährige stammt aus Friedrichshain und fährt seit 20 Jahren Taxi auf eigene Rechnung. Der Winter beschert der Branche also mehr Kunden. Das liegt auch an der Technik: Mancher Autofahrer fordert über die Taxi-Zentralen Überbrückungshilfe an, weil seine Maschine von alleine nicht anspringt. Das kostet ungefähr zehn Euro.