Berlins beste Schülerzeitungen

Sie schreiben von Toiletten, die nicht abzuschließen sind, von Mobbing auf dem Schulhof oder von der Angst vor Arbeitslosigkeit nach der Schule. Es gibt kein Medium, das den Schulalltag ungeschminkter wiedergibt, als die Schülerzeitungen.

Die besten von ihnen wurden gestern im Landeswettbewerb der Senatsverwaltung für Bildung und der Berliner Morgenpost im Axel-Springer-Haus in Kreuzberg prämiert. Insgesamt hatten sich 60 Schulen an dem Wettbewerb beteiligt.

"Allen Schülerzeitungen in Berlin gilt mein besonderer Respekt", sagte der Herausgeber der Berliner Morgenpost, Dieter Stolte, bei der Preisverleihung. Als junge Journalisten würden die Schüler an einem wichtigen Prozeß der Meinungsbildung teilnehmen. Etwas zu schreiben, zu drucken und zu verteilen sei ein großes Privileg. Er rief die Schüler dazu auf, auch die Erfahrungen der Profis zu nutzen, in die Redaktionen zu gehen oder sich die Redakteure einzuladen.

Auch der Staatssekretär der Bildungsverwaltung, Thomas Härtel, betonte die Bedeutung der Schülerzeitungen für die Erziehung zur Demokratie. Das Engagement sollte in jedem Fall auf dem Zeugnis positiv vermerkt werden, sagte Härtel. Denn die Redakteursarbeit sei mindestens ebenso viel wert wie eine Klassenarbeit. Selbstverständlich darf der Inhalt nicht benotet werden. Die Zensur der Schülerzeitungen ist in Berlin abgeschafft. Das sei nicht selbstverständlich, sagte Härtel und verwies auf die Ausführungsvorschriften in Bayern.

Daß die Berliner Schüler in ihren Publikationen kein Blatt vor den Mund nehmen, haben die vielen zitierten Beispiele gestern gezeigt. Von abzockenden Lehrern war da die Rede oder von solchen, die sich allzu leicht blenden lassen. Aber auch Kritik in den eigenen Reihen bleibt bei den Schülertexten nicht aus. Trotz ihrer wichtigen Funktion werden Schülerzeitungen immer seltener. In Berlin gibt es noch etwa 200 Zeitungen in den knapp 900 Schulen. Der Wettbewerb, der auch auf Bundesebene ausgeschrieben wird, soll diesen Trend stoppen.

Die Einsendungen wurden nicht nur nach journalistischen und stilistischen Kriterien bewertet, sondern auch danach, ob die Schüler mit ihrer Zeitung etwas bewegen wollen und welche Wege sie dafür einschlagen.

Die Jury bestand aus zwei Mitarbeiterinnen der Senatsverwaltung, einem Mitarbeiter vom Schülerzeitungsverband Junge Presse und einer Mitarbeiterin der Berliner Morgenpost.

Die Preisträger erhalten jeweils 100 Euro und Bücherpreise. Außerdem können die Landessieger an dem bundesweiten Wettbewerb unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Horst Köhler teilnehmen. Der nächste Landeswettbewerb wird zu Beginn des kommenden Schuljahres ausgeschrieben. Dann hoffen die Veranstalter auf noch mehr Teilnehmer und auf viele neue Zeitungsgründungen.