Stadtplanung

Widerstand gegen A 100-Weiterbau wächst

Seit gestern können die Berliner Einblick in die Pläne zum Weiterbau des Autobahnstadtrings A 100 nehmen. Seit gestern steht auch die Front derer, die das 420-Millionen-Euro-Vorhaben des Bundes verhindern wollen.

Die Fraktion der Grünen, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie die Bürgerinitiative Stadtring Süd (BISS) machen gegen das teuerste Straßenbau-Projekt Deutschlands mobil. "Wir haben ein eigenes Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben, das die Planungsunterlagen des Senates überprüfen soll", so Claudia Hämmerling. Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen zweifelt die Zahlen des Senats an.

Die Senatsverwaltung hatte kürzlich Prognosen präsentiert, wonach durch das 3,2 Kilometer lange Teilstück zwischen dem Autobahnkreuz Neukölln und dem Treptower Park rund 6000 Anwohner beeinträchtigt werden, jedoch 60 000 Bewohner in den Wohngebieten im Süd-Osten Berlins vom Durchgangsverkehr entlastet werden. "Die Zahl der Betroffenen hat der Senat viel zu gering geschätzt", so Hämmerling. Lärm- und Abgasschwaden würden beidseitig der Trasse einen Kilometer weit zu spüren sein, wo gut 30 000 Menschen wohnten. "Vor Ablauf der Einwendungsfrist werden wir die Erkenntnisse unseres Gutachtens veröffentlichen", so Hämmerling. Damit solle den Berlinern Material für Einwendungen gegeben werden.

Besondere Hoffnung setzen die Autobahngegner in die mehreren hundert Anwohner der Elsenstraße und jener Straßenabschnitte, in denen auch nach Senatsberechnungen die Grenzwerte für Feinstaub überschritten werden. "Eine Klage der Anwohner könnte das Vorhaben stoppen."

Denn allgemeine Einwände gegen das Vorhaben sind zwar ein "deutliches politisches Signal", so Harald Moritz von der BISS. Rechtlich stoppen können sie das Projekt jedoch nicht. "Trotzdem kann kein Senat im Wahlkampfjahr 2009 den Willen großer Bevölkerungsteile einfach ignorieren", appelliert Moritz an die Bürger, dennoch aktiv zu werden. Man wolle sich auch gezielt an Hauseigentümer wenden, deren Häuser durch die nahe Autobahn an Wert verlieren würden. Unterstützung erhoffe man sich etwa von Versicherungskonzern Allianz, den Eigentümern der "Treptowers". Moritz weist darauf hin, dass alle, die gegen die Autobahn klagen wollen, vorher eine Einwendung schreiben müssen.

Vier Wohnhäuser sollen in der Beermannstraße für den Weiterbau der Autobahn abgerissen, zudem 300 Kleingärten in Neukölln und Treptow geräumt werden. 2011 soll mit dem Bau begonnen werden, sechs Jahre später sollen täglich bis zu 100 000 Autos auf der Trasse rollen. Den Weiterbau der A 100 zu verhindern, haben sich neben dem BUND und der BISS auch weitere Initiativen auf die Fahnen geschrieben. Zur Informationsveranstaltung gestern Abend auf dem RAW-Gelände an der Revaler Straße hatten auch der Initiativkreis "Mediaspree versenken!" und die BI "Nein zum Kohlekraftwerk" eingeladen.

Die Auslegungsfrist endet am 9. April 2009, Einwendungen können bis zum 23. April eingereicht werden. Rathaus Neukölln, Karl-Marx-Straße 83, Raum N 6006, Tel. 68 09 27 14 oder Rathaus Treptow, Neue Krugallee 4, Raum 22, Tel. 902 97 44 49, Mo. bis Mi. 9-16 Uhr, Do. 9-18 Uhr und Freitag 9-14 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung.