Projekt

Esmeralda-Familientreff: Wichtige Stütze bei der Integration

Im Neuköllner Schillerkiez breitet sich Frauenpower aus. Vor zwei Jahren haben fünf "Stadtteilmütter" arabischer und türkischer Herkunft den Esmeralda-Familientreff an der Warthestraße 46 eröffnet. Seither ist er zum wichtigen Ort für Migranten-Familien in Neukölln geworden.

Denn dort können sie Texte übersetzen lassen, eine kostenlose Rechtsberatung bekommen, basteln, Geburtstage feiern oder einfach nur reden. Es gibt das Nachbarschaftsfrühstück, den Frauentreff, Lesungen, Spielnachmittage und interkulturelle Feste. Am 9. März, 9-18 Uhr, feiert der Familientreff zweijähriges Bestehen.

Besonders beliebt sei der orientalische Raum mit seinen Bodenkissen und den niedrigen Tischen, sagt Esmeralda-Begründerin Sibel Uzak. Die Türkin lebt seit 1976 in Berlin. "Viele Menschen aus dem Kiez lernen sich bei unseren Festen kennen", erzählt sie. Manch einer sitze zuerst nur in einer Ecke und schaue zu. "Dann kommt er wieder, trinkt einen Kaffee und kommt mit anderen ins Gespräch." Auch Esma Kocaarslan, 33 Jahre alt, ist Stadtteilmutter und seit zwei Jahren im Esmeralda-Familientreff tätig. Sie ist in Berlin geboren und spricht perfekt deutsch. Das habe sie in der Schule und bei der Ausbildung gelernt, erzählt die junge Frau, die ein Kopftuch trägt. Die gelernte Zahnarzthelferin hat den Beruf zugunsten des Familientreffs an den Nagel gehängt. Sie kommt halbtags, für Honorar, und organisiert, berät und betreut. Anschließend kümmert sie sich um ihre Kinder "Die Arbeit für Esmeralda macht mir viel Spaß", sagt sie.

Der Familientreff ist in den Räumen einer früheren Eckkneipe eingerichtet. Gleich nebenan ist die Lehrküche "Warthe-Mal" zu finden. Auch sie ist vor zwei Jahren an den Start gegangen und inzwischen zum Kiezmagnet geworden. Auch sie feiert, gemeinsam mit dem Esmeralda-Familientreff, am 9. März den zweiten Geburtstag. Eine weitere Gemeinsamkeit: Auch das "Warthe-Mahl" ist fest in weiblicher Hand. Joanna Raffel betreut die Küche im Auftrag der Projektagentur Berlin. "Kitas und Schulklassen kochen bei uns, auch Senioren und Familien aus dem Kiez", erzählt die gebürtige Polin. Türkische und arabische Mütter probieren gemeinsam ihre Rezepte aus. Schwerpunkt im "Warte-Mahl" ist die gesunde Ernährung. Natürlich ist auch Zeit für Leckereien. "Die Schulen fragen jetzt schon nach Terminen für die Weihnachtsbäckerei 2009." Bevor es ans Kochen geht, fordert Joanna Raffel die Besucher zur Bewegung auf. Die Jüngsten hüpfen, die Großen joggen oder gehen auf den Sportplatz. Erst dann setzen sie die Kochmütze auf.

Dem Neuköllner Vorbild folgend, ist jetzt in Wedding das Projekt "Brunnenkiezmütter" gestartet. Es wird vom Quartiermanagement Brunnenviertel-Ackerstraße mit 54 000 Euro gefördert und soll zunächst bis Ende 2010 laufen. Zehn Kiezmütter sind geschult worden. Ab Juni sollen sie Familien besuchen und Eltern beraten.

Esmeralda-Familientreff, Warthestr. 46, Tel. 28 70 35 48, Mo-Fr, 9-17 Uhr;

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