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Grüne Woche setzt auf fairen Handel

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Tanja Laninger

Bäcker in historischer Kleidung und ein Buttermädchen, Männer in grünem Loden und ein Schmied - die Internationale Grüne Woche besinnt sich auch optisch auf ihre Wurzeln. Denn die weltweit größte Verbraucherschau für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau feiert heute Abend zur offiziellen Eröffnung ein Jubiläum: Sie findet zum 75. Mal statt.

Zum Geburtstag hat die Berliner Bäcker-Innung eine 60 Kilogramm schwere Torte kreiert - allein das Marzipan wiegt 20 Kilo.

Aus einer ursprünglich lokalen Warenmesse - der Berliner Journalisten den Spitznamen Grüne Woche verpassten, weil zahlreiche Besucher vom Lande in grünen Lodenmänteln gekleidet waren - ist längst eine der weltweit bekanntesten Verbrauchermessen geworden. Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin GmbH, erwartet in den nächsten Tagen den 30-millionsten Besucher. Zur diesjährigen Schau rechnet die Messe mit rund 400 000 Besuchern, darunter 100 000 Fachbesucher. Sie können sich bei 1589 Aussteller aus 56 Ländern über verschiedene Produkte informieren: Im Angebot sind 100 000 Spezialitäten.

Das Publikum kann sich in der grauen Jahreszeit auf sinnliche Abwechslung freuen: Allein in der Internationalen Blumenhalle sind 30 000 Blütenpflanzen zu sehen. Zusätzlich bevölkern mehr als 11 000 Haus- und Heimtiere das Messegelände unterm Funkturm.

Das diesjährige Partnerland ist Ungarn, das bereits seit 1972 an der Grünen Woche teilnimmt und nun mit einer scharfen roten Paprika für sich wirbt.

"Deutschland ist die Nummer eins für die ungarische Landwirtschaft", sagte gestern Botschafter Sándor Peisch auf der Eröffnungspressekonferenz. Der Wert der auf den deutschen Markt gebrachten Produkte aus Ungarn habe sich von 2007 zu 2008 auf 860 Millionen Euro verdoppelt. 15 Prozent des gesamten ungarischen Agrarexports, der sich auf rund 5,7 Milliarden Euro beläuft, gingen nach Deutschland. Das Land präsentiert in Halle 10.2 neben der Agrar- und Lebensmittelproduktion auch touristische und kulturelle Highlights.

Messe-Geschäftsführer Göke kann einen ganz neuen Messe-Bereich ankündigen: "Ein Weltladen mit fair gehandeltem Produktsortiment." Der "Faire Handel" bietet in Halle 6.2 außer Kaffee auch Säfte, Eistee, Cola, Limonade, den Inkareis Quinoa, Kokosmilch, Essige, Olivenöl, Honig, Marmelade, exotische Nüsse, Gewürze, Schokoladensorten und Gummibärchen.

Doch die Grüne Woche ist nicht nur ein Publikumsrenner, sondern inzwischen zum Weltagrargipfel geworden. "Die Spitzenvertreter der gesamten Wertschöpfungskette des Agribusiness treffen sich hier zum Gedankenaustausch mit so vielen Agrarministern aus aller Welt wie nie zuvor", sagte Göke. 56 Landwirtschaftsminister haben sich für das "Global Forum for Food and Agriculture Berlin 2010" vom 14. bis 16. Januar angemeldet und sprechen über "Landwirtschaft und Klimawandel - neue Konzepte von Politik und Wirtschaft". Im Vorjahr kamen 26 Agrarminister.

Für die Messe Berlin ist die Grüne Woche traditionell die Jahresauftaktveranstaltung. Sprecher Michael T. Hofer sagte, dass "60 weitere Messen in diesem Jahr folgen".