Gastronomie

"Das ist eine Katastrophe für uns"

Unsaubere Wandfliesen in der Küche, verunreinigter Eiswürfelbehälter, falsche Warenlagerung: Die amtlich festgestellten Hygienemängel im Restaurant "Maccheroni" sind nach Auskunft von Gastwirt Andreas Luckner fast alle beseitigt.

Dennoch steht die Gaststätte in Prenzlauer Berg auf der sogenannten Negativliste des Bezirksamtes Pankow, die seit gestern im Internet zu lesen ist.

"Ich bin fast umgefallen, als ich das gesehen habe", sagt Luckner. Denn er habe alles getan, was ihm möglich war, um die Beanstandungen in Ordnung zu bringen. Bauliche Schäden habe er sofort der Hausverwaltung gemeldet. Das Bezirksamt sei bereits zur Nachkontrolle da gewesen, doch die sei nicht in der Internetliste erwähnt. "Das ist eine Katastrophe für uns", sagt Luckner. Er lädt seine Gäste ein, alle Räume in Augenschein zu nehmen. Und er prüft juristische Schritte. "Die Mängel, die im Internet aufgelistet sind, wurden längst behoben", sagt auch Vu Thi Hoa, die das Restaurant "Ha Long Bay" an der Schönhauser Allee betreibt.

39 Gaststätten aufgelistet

Die sogenannte Negativliste des Bezirksamtes führt 39 Lebensmittelbetriebe auf. Gärfliegen auf dem Obst, Schimmel im Bierkeller, Ratten im Vorratslager und verschmutze Kühlschränke haben die Lebensmittelkontrolleure bei ihren unangemeldeten Besuchen in Restaurants, Obst- und Gemüseläden, Bäckereien oder Imbissbuden gefunden. Der Gast und Käufer sollte über diese Befunde Bescheid wissen, meint Jens-Holger Kirchner (Grüne), Stadtrat für öffentliche Ordnung in Pankow.

Aufgeführt sind Unternehmen, bei denen die Kontrolleure nach Angaben des Bezirksamtes seit Jahresbeginn gravierende Mängel bei ihren Routinekontrollen festgestellt hatten, die nicht kurzfristig behoben wurden. In der Liste finden sich auch Betriebe, die sich seit Mai 2008 ein Bußgeldverfahren wegen schwerwiegender hygienischer Beanstandungen eingehandelt hatten und die dem Amt noch nicht die Beseitigung der Mängel gemeldet haben.

Kirchner beruft sich auf das Verbraucherinformationsgesetz. Der Bürger habe das Recht, Informationen über die jüngsten Betriebskontrollen zu bekommen, sagt der Stadtrat: "Und die Behörden haben die Pflicht, diese Informationen in geeigneter Weise zur Verfügung zu stellen."

Mit der Negativliste im Internet reagiert Kirchner auf eine bedenkliche Entwicklung. Seit Jahren sei die Zahl der Beanstandungen bei Lebensmittelkontrollen unverändert hoch, so der Stadtrat. Bei rund 2300 der 7000 Pankower Lebensmittelbetriebe lassen seinen Angaben zufolge Hygiene und Sauberkeit zu wünschen übrig. "Trotz Bußgeld und kurzzeitiger Betriebsschließungen." Seit Januar 2008 mussten in Pankow 111 Firmen kurzzeitig schließen, weil die Kontrolleure mangelhafte Reinigung und Desinfektion feststellten. Die Negativliste werde alle vier Wochen aktualisiert, kündigt Kirchner an. Die aufgeführten Firmen könnten dem Bezirksamt mitteilen, dass die Mängel beseitigt seien, und um eine kurzfristige Nachkontrolle bitten. In Pankow gibt es zwölf Lebensmittelkontrolleure. Jeder kann bis zu vier Betriebe am Tag kontrollieren.

Schnell reagiert hat zum Beispiel die Firma Kamps. Zwei Bäckereifilialen finden sich auf Kirchners Liste. Beanstandet werden unter anderem unsachgemäße Lagerung von Lebensmitteln und unzureichende Lagerungskapazität. "Wir haben einige Mängel sofort abgestellt, bei anderen wurde die Beseitigung gleich beauftragt", sagt Kamps-Sprecher Jan Hertzberg. Unterdessen seien die Beanstandungen behoben, man sei im engen Kontakt mit der Behörde.

Juristen eingeschaltet

Widerstand gegen die Negativliste kommt vom Berliner Hotel- und Gaststättenverband. "Der Bezirk soll nicht die Gastronomen bestrafen, sondern Sicherheit für den Verbraucher bringen", sagt Hauptgeschäftsführer Thomas Lengfelder. Der Verband lasse juristisch prüfen, ob die Liste mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar sei. Denn es seien nur einige Gaststätten genannt. Das Bezirksamt sei nicht in der Lage, alle gastronomischen Einrichtungen in Pankow zu kontrollieren, und andere Bezirke hätten noch keine Negativliste. "Man muss deshalb fragen, ob diese Liste wettbewerbsverzerrend wirkt."

Die Negativliste ist Teil des sogenannten Smiley-Systems, das Pankow zu Jahresbeginn eingeführt hat. Lebensmittelbetriebe mit ausgezeichneter Hygiene können von der Behörde das "Lächel-Logo" bekommen, das vergeben wird, wenn eine Reihe von Kriterien erfüllt ist. Etwa 60 Firmen haben sich Kirchner zufolge beworben, fünf haben es schon bekommen. Auch sie stehen im Internet.

In anderen Bezirken fällt die Reaktion auf das Projekt unterschiedlich aus. Spandaus Gesundheitsstadtrat Martin Matz (SPD) sagt: "Ich möchte das Konzept derzeit nicht übernehmen, denn ich kann den tatsächlichen Mehrwert für Verbraucher nicht erkennen." Marc Schulte (SPD), Gesundheitsstadtrat von Charlottenburg-Wilmerdorf, sagt: "Wir begrüßen das Pilotprojekt."