Kinderbetreuung

Dramatischer Mangel an Erziehern

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Florentine Anders und Regina Köhler

Wie bei den Lehrern steuert Berlin auch bei den Erziehern auf eine dramatische Mangelsituation zu. Laut Senatsbildungsverwaltung scheiden bis 2013 etwa 414 vollzeitbeschäftigte Erzieher altersbedingt aus dem Beruf aus.

"Es werden sogar noch viel mehr sein, weil längst nicht alle bis zum 65. Lebensjahr arbeiten", sagte Bärbel Jung, Referentin für Kinder- und Jugendhilfe der Lehrergewerkschaft GEW.

Schon jetzt gibt es nicht genügend Bewerber für offene Stellen. So fehlt etwa an vier Neuköllner sowie an drei Reinickendorfer Grundschulen jeweils mindestens ein Erzieher. Beim Einstellungsverfahren im Januar für Erzieherinnen im Schulbereich waren laut GEW 86 Stellen zu besetzen, auf die sich lediglich 54 Erzieherinnen beworben haben.

Auch die Kindertagesstätten finden schon jetzt nicht genügend Bewerber auf offene Stellen. "Wir könnten sofort 30 Erzieher einstellen, doch die Interessenten sind nicht da", sagt Matthias Erfurt, Geschäftsführer des Eigenbetriebs Süd-Ost. Der Markt sei leer gefegt. Vor allem in Treptow-Köpenick spitze sich die Situation weiter zu, da hier die Zahl an kleinen Kindern zunehme und die Nachfrage nach Kita-Plätzen steige.

Auch der Eigenbetrieb Süd-West sucht händeringend Erzieher. Derzeit können fünf Stellen nicht besetzt werden. "Die Kollegen sind ausgebrannt, der Krankenstand steigt, wir steuern auf ein riesiges Problem zu", sagt Martina Castello, Geschäftsführerin des Eigenbetriebs Süd-West.

Gleichzeitig wirbt München in den Kindertagesstätten Erzieher ab. In einer bundesweiten Fachzeitschrift lädt die Stadt die Pädagogen zu einem Schnupperwochenende ein. Im Gegensatz zu Berlin, wo Erzieher nur befristet eingestellt werden, wirbt München mit unbefristeten Verträgen, mit guten Verdienstmöglichkeiten, vergünstigten Mieten und Aufstiegschancen. Neben einem Einblick in die Kitas erhalten die Pädagogen an dem Schnupperwochenende eine Stadtführung, kostenlosen Eintritt in den Zoo, Hotelrabatt und etliche andere Rabatte zum Essen und Einkaufen.

Bundesweit werden vor allem durch den Ausbau der Krippenplätze 46 000 Erzieher bis zum Jahr 2013 benötigt. Marion Leibnitz, Vorsitzende des Gesamtpersonalrats der Lehrer und Erzieher, fordert eine bessere Bezahlung und deutlich bessere Arbeitsbedingungen für Erzieher. "Bisher sind die Pädagogen nur befristet eingestellt worden. Das muss sich ändern", sagte sie. Zudem müssten die Gruppengrößen reduziert werden. "Im Hortbereich ist nicht selten eine Erzieherin für 50 Kinder zuständig", so Leibnitz. Erzieher würden außerdem oft für fehlende Lehrer eingesetzt und damit ständig hin und her geschoben werden.

Dringend nötig ist es laut Marion Leibnitz auch, wesentlich mehr Werbung für den Erzieherberuf zu machen. "Wir brauchen mehr junge Menschen, die Erzieher werden wollen." Das Kita-Bündnis fordert vor allem Vor- und Nachbereitungszeiten für die Umsetzung des Bildungsprogramms in den Kitas.

Unterdessen diskutieren SPD und Linke im Rahmen ihrer Haushaltberatungen fraktionsintern einen bis zu 70 Millionen Euro schweren Stufenplan. Er beinhaltet unter anderem die Verbesserung des Leitungsschlüssels und fünf Prozent mehr Personal, sagt die jugendpolitische Sprecherin Sandra Scheeres von der SPD. Vorgestern war ein Brandbrief von Erziehern bekannt geworden, die beklagen, dass sie wegen mangelnder Personalausstattung ihren Bildungsauftrag nicht erfüllen können.